No-Gi Training im Kimono

No-Gi
Meine Braungurtprüfung unter Roy Harris im Sommer 2007

Ich habe mein Training schon immer nach meinen eigenen Vorgaben gestaltet und mich nie an Trends gehalten und heute möchte ich genau über so eine Trainingsmethode berichten. Ich trainiere ja schon immer No-Gi BJJ und liebe es auch. Vom Gi und seinen Griffen habe ich nicht viel Ahnung und es interesssiert mich ehrlich gesagt auch nicht.

Für mich sind Gi und No-Gi BJJ zwei verschiedene Sportarten, sowie Judo und Griechisch-Römisches Ringen. Beides tolle Stile, aber eben vollkommen verschieden. Von daher sehe ich das Thema auch vollkommen entspannt und teile es nicht in besser oder schlechter ein. Kann man eben auch nicht tun, weil es eben komplett verschiedene Stile sind. Aber obwohl ich No-Gi BJJ trainiere, rolle ich zu 80-90% im Gi.:-) O.k. das klingt jetzt verrückt, gebe ich zu, ist aber so. 🙂

Warum? Weil ich es mir in vielen Bereichen schwerer machen möchte. Ich will nicht einfach irgendwo raus rutschen, oder nur entkommen, weil mein Trainingspartner seinen Griff verliert, ich will arbeiten müssen, ich will festgehalten werden können, ich will mit der Reibung des Gis hängen bleiben, um bessere und stärkere Bewegungen entwickeln zu müssen und genau dafür ist der Gi perfekt.

Vielleicht wird jetzt der ein oder andere Leser sagen, der Friedrich macht doch eigentlich gar kein No-Gi, sondern Gi, weil er ja den Kimono an hat. Aber das ist nicht so, denn meine Trainingspartner tragen keinen Gi, haben keine Ahnung vom Gi, kennen keine Gi Chokes, keine Griffe am Revers oder an den Ärmeln. Nein, die machen genau das, was sie bei den anderen Trainingspartnern, die keinen Gi tragen (ich bin wirklich der Einzige bei uns;-) auch machen, nämlich Overhooks, Underhooks, usw. Von daher trainiere ich wirklich No-Gi im Kimono.;-)

Zusammengefasst, was sind also die Vorteile dieses Trainings?

  • Man hat mehr Reibungswiderstand und rutscht nicht einfach aus irgendwelchen Griffen oder Submissions
  • Man kann sich deshalb auch nicht ganz so schnell bewegen
  • Der Trainingspartner hat auch bei No-Gi Griffen, einfach einen besseren „Grip“, als wenn man ein Rashguard trägt.

Und wie sie es mit den Nachteilen aus, hat das No-Gi Training im Gi auch Nachteile?

Natürlich, die hat es auch und deshalb trainiere ich eben nur sehr viel, aber nicht immer mit dem Gi und mache das auch von meinen Trainingszielen abhängig. Ein Triangle Choke mit verschwitzen Beinen und kurzen Hosen, ist schwieriger zu bekommen, als mit Gi Hosen. Das gleiche gilt auch für Arm- oder Beinhebel, auch die sind mit Gi leichter zu bekommen, weil man einen besseren „Grip“ hat. Auch die Kontrolle in manchen Positionen ist einfacher, eine Closed Guard ist mit langen Hosen wesentlich effektiver,, das gleiche gilt auch für die Mount oder Side Mount Position.

Grundsätzlich könnte man es so formulieren:

Das aggressive Angriffsspiel, Kontrolle und Submissions sind einfacher mit dem Gi auszuführen.

Das passive Verteidigungsspiel, die Befreiungen aus Positionen und Submisions, ist einfach ohne Gi auszuführen.

Aber so schwarz und weiß ist es dann doch nicht, denn jede Offensive lebt eben nicht nur vom Angriff, sondern auch davon, diesen Angriff uneingeschränkt ausführen zu können. Oder anders gesagt, die Reibung dir mir dabei hilft meinen Trainingspartner zu kontrollieren, kann ihm auch dabei helfen, meinen Angriff zu stoppen oder zumindest zeitlich zu verzögern.

Und die fehlende Reibung beim No Gi, die mir vielleicht dabei hilft mich aus der Back Mount Position herauszudrehen, hilft meinen Gegner dabei, in der gleichen Position, seinen Arm einfacher um meinen Hals legen zu können.:-) Sie merken kein ganz einfaches Thema, eben sehr speziell, man muss abwiegen, aber das habe ich getan und für mich passt es.;-)

Die Idee einen Gegner direkt zu überrennen, bzw. ihn mit schnellen Kombinationen zu überfordern, finde ich mit 43 nicht mehr so prickelnd. Auch wenn sie funktioniert, hat sie wenig Luft nach oben, ein schnelles, aggressives Spiel ist keine Domäne des Alters.;-) Mein Fokus liegt darauf gar nicht da zu sein.;-) Kein Widerstand zu geben, keine Räume auf zu machen, nicht Kraft gegen Kraft zu spielen. Ich verteidige mich, indem ich meinen Partner erst gar nicht das gebe was er braucht und genau dabei hilft mir der Gi.

Er zeigt mir meine Fehler noch deutlicher, er macht das schnelle raus rutschen noch schwerer, er bestraft mich für meine Unachtsamkeit. Perfekt, das will ich haben.;-)

Würde ich so für einen Wettkampf trainieren? Nein, würde ich nicht. Für einen Wettkampf würde ich die Wettkampfbedingungen so gut wie möglich simulieren und so trainieren, wie ich auch kämpfe. Die Wettkampfvorbereitung ist weniger eine Zeit des Lernens und Entdeckens, sondern eher die Zeit, das was man kann, so weit wie möglich zu perfektionieren und da würde ich eben alles zusammenbringen, Kraft, Technik, Schnelligkeit, alles wird gebraucht um zu gewinnen. Von daher hätten solche Lernexperimente mit dem Gi in solchen Zeiten keinen Sinn.

Für mich liegt der Fokus, aber weniger auf kurzfristigen Erfolgen, sondern eher auf langfristigen positiven Veränderungen und von daher ist das Training mit dem Gi perfekt und wenn ich ihn dann mal ausziehe, fühle ich mich schneller, stärker, explosiver und einfach so, als hätte ich die Handbremse gelöst.;-) Kein schlechtes Gefühl:-)

Wer sich für No-Gi BJJ interessiert, findet hier meine neuste Videoserie, mit einer komplett neuen Form der Guard Kontrolle, lohnt sich auf jeden Fall:
https://fighterfitness.de/guillotineguard/

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