BJJ Street Guard – Eine Guard für jede Lebenslange;-) Teil 2: Die offene Guard

Das taktische Aufstehen aus der offenen Guard Position , wenn man die Distanz dazu hat. (Screenshot)

Nachdem ich im ersten Teil, die Funktion und Wirkungsweise der geschlossenen Guard erläutert habe, geht es heute um die offene Guard, d.h. ein Gegner steht etwas außerhalb meiner Reichweite, ich habe noch keinen, bzw. wenig physischen Kontakt zu ihm und der Kampf entwickelt sich von dort aus. Im sportlichen BJJ gab es in dieser Position in den letzten Jahren eine enorme Entwicklung, aber ich will an der Stelle mehr auf die Anwendung der offenen Guard in der Selbstverteidigung, bzw. in Situationen in denen Schläge und Tritte erlaubt sind, eingehen.

Wie entsteht eine offene Guard Position in der Selbstverteidigung?
Grundsätzlich kann man sagen, das es kaum Situationen gibt, bei denen man sich freiwillig in die offene Guard Position begibt. Meistens läuft etwas suboptimal und man wird dazu gezwungen, sich in diese Position zu begeben. Der Klassiker überhaupt, ist das einfache Stolpern. Man befindet sich in einer körperlichen Auseinandersetzung, mitten im Chaos und plötzlich verliert man das Gleichgewicht und landet am Boden, während der Gegner stehen bleibt und schon findet man sich in der offenen Guard wieder.

Eine weitaus gefährlichere Situation ist gegeben, wenn der Gegner einen schweren Schlag landet und man durch die Schlagwirkung zu Boden geht, bzw. sich freiwillig hinsetzt, weil man merkt das man angeschlagen ist und die Verteidigung im Stand zu gefährlich wird. Diese Taktik wurde früher öfters in MMA Kämpfen angewendet und war auch erfolgreich. Allerdings wollten die Zuschauer lieber ein brutales K.O. sehen und so wird heute in der Regel der Kampf sehr schnell unterbrochen, wenn einer der beiden Kämpfe sich hinsetzt.

Vielleicht denken sie jetzt: Was? Warum sollte ich mich auf den Boden setzen, wenn ich schon angeschlagen bin? Das ist doch gefährlich. Meine Antwort, ja das ist gefährlich, aber angeschlagen stehen zu bleiben und weitere schwere eventuelle K.O. Treffer zu kassieren ist noch gefährlicher. Eine weitere Möglichkeit für die offene Guard ist eine Situation, in der sie sich schon am Boden befinden. Man sitzt im Freibad auf einer Wiese, oder man befindet sich schon in einer liegenden Position (gerade bei sexuellen Straftaten) und wird plötzlich angegriffen. Eine weitere Möglichkeit ist auch, das ihr Gegner aus ihrer geschlossenen Guard flüchtet (weil er zu stark ist oder sie einen Fehler gemacht haben) und somit Distanz aufbauen kann.

Was ist das Ziel der offenen Guard?
Grundsätzlich gibt es in der offenen Guard zwei Ziele, die auf den ersten Blick sehr gegensätzlich erscheinen, allerdings ergänzen sie sich bei genauerer Betrachtung sehr gut. Das erste Ziel ist natürlich die Verteidigung gegen Schläge und Tritte. Dadurch, das man in der offenen Guard oft keinen direkten Kontakt zu seinem Gegner hat, gleicht das Szenario dem Standkampf. Man ist außerhalb der gegnerischen Reichweite, muss sich vor den Angriffen des Gegners schützen und gleichzeitig einen Weg finden, die Distanz zu verkürzen.

Die klassische Situation in der SV ist wohl die, das der Gegner steht, während man selber am Boden liegt. Solange nur ein Angreifer im Spiel ist, ist diese Position gar nicht so schlecht(im Kontext der verschiedenen Guard Positionen). Wie schon weiter oben im Text erwähnt, gab es in den frühen MMA Kämpfen öfters solche Situationen und der stehende Gegner hat es dabei gar nicht so leicht und will deshalb oft gar nicht angreifen. Gerade wenn man keine Grappling Erfahrung hat, ist es nämlich gar nicht so einfach, an den gegnerischen Beinen vorbei zu kommen.

Das offensive Ziel ist natürlich die Kampfunfähigkeit des Gegners. Man hat die Möglichkeit eines gezielten „Up Kicks“ zum Gesicht, also einem Fußtritt aus der Rückenlage. Darüber hinaus gibt es Sweeps und auch einige Submissions (wobei gerade die Submissions eher etwas für fortgeschrittene BJJ Anwender sind) und natürlich gibt es die Chance, den Gegner in die geschlossene Guard zu ziehen. Dies ist wohl auch eine der sichersten Methoden überhaupt.

BJJ Selbstverteidigung
Die Füße zeigen immer zum Gegner (Screenshot)

Die Füße zeigen immer zum Gegner
Natürlich ist die offene Guard ein großes Thema, welches wir in seiner Komplexität nicht komplett behandeln können, aber es gibt einige grundsätzliche Prinzipien, die man immer nutzen sollte.

Grundsätzlich sollten die eigenen Fußsohlen, bzw. Fersen, immer zum Gegner zeigen. Man zielt quasi mit den Füßen, wie man auch mit einer Schusswaffe zielen würde und wenn der Gegner sich bewegt, dann bewegt man sich auch und folgt ihm. Man darf unter keinen Umständen zulassen, das der Gegner zur eigenen Flanke kommt, denn dort ist man für alle Angriffe, egal ob Schwitzkasten oder „Elfmeter Kick“ an den Kopf offen. Der Wechsel von der sitzenden in die liegende Position und die Nutzung der Schwungmasse des Körpers ist dabei enorm wichtig, um sich wirklich schnell und ohne viel Aufwand am Boden bewegen zu können.

Mein Systema Training unter Alex Kostic hat damals mein BJJ in diesem Bereich sehr bereichert und verändert und auch heute noch sind gerade beim fortgeschrittenen Training, viele Einflüsse dieser Kampfkunst mit drinnen.

Aufstehen, wenn es die Distanz zulässt.
Dieses Prinzip gilt natürlich nicht, wenn man sich z.B. nach einer Schlagwirkung in diese Position begeben hat, um weiteren Schlägen zu entgehen. Es ist eher für die Fälle gedacht, in denen man unfreiwillig am Boden gelandet ist, weil man z.B. ausgerutscht oder gestolpert ist, oder vielleicht vom Gegner am Boden überrascht wurde.

Grundsätzlich hält man seinen Gegner mit gezielten Kicks auf Distanz. Sobald dieser zu Nahe kommt, attackiert man seine Knie, weil diese meistens das naheliegendste Ziel sind. Durch das konsequente Attackieren der Knie, zwingt man den Gegner auf Distanz zu bleiben, was oft dazu führt, das er sich sogar weiter von einem entfernt, als es für ihn nötig wäre. Sobald der BJJ Anwender merkt, das sein Gegner weit genug weg ist und keinen Angriffsdruck nach vorne hat, kann er diese Lücke nutzen und aufstehen, um den Kampf im Stand weiter zu führen. Durch die Kombination aus aggressiven Kicks und konsequentem Aufstehen, kann man den Gegner sehr gut unter Druck setzen. Kommt er zu Nahe wird er getreten, geht er zu weit weg, steht man auf. Wie man aus dieser Position effektiv treten kann, zeige ich in diesem Video.

Natürlich ist dies noch nicht die perfekte Lösung, weil mein noch keine Kontrolle über den Gegner hat, aber es ist definitiv eine gute Strategie um eine relativ passive Position stark zu machen.

Der „Up-Kick“
Eine weitere konsequente Umsetzung unser Kick Strategie. Während die ersten Kicks meistens zu den Knien gehen, weil der Gegner relativ gerade vor uns steht, kann es im Verlauf des Kampfes passieren, das der Gegner sich nach vorne über beugt, um unsere Hose an den Knien, oder Fußgelenken zu greifen. Sollte dies der Fall sein, bringt er dadurch seinen Kopf in die Kick Distanz und dies kann der BJJ Anwender ausnutzen und mit einem „Up-Kick“ zum Gesicht angreifen. Diese Kicks sind sehr schwer zu erkennen und führen oft zu einem schnellen K.O. Wie gut sowas funktioniert, zeigt dieses Video von Renzo Gracie in seinem Kampf gegen Oleg Taktarov.

Offene Guard
Einarmige Kontrolle, der erste Schritt zum „2 on 1“ (Screenshot)

Die Extremitäten kontrollieren
Wie im Stand auch, kommt irgendwann der Punkt, an dem man den Gegner kontrollieren und in seinen Bewegungen einschränken kann. Allerdings kann man diesen nicht so aktiv suchen wie im Stand, weil man eben am Boden sitzt oder liegt. Kommt der Gegner jedoch so nahe,das man seine Fußgelenke, bzw. Handgelenke greifen kann, beginnt eine neue Phase der offenen Guard. Jetzt kann der BJJ Anwender selber damit beginnen Druck aufzubauen. Mit Kontrolle der Fußgelenke ergeben sich verschiedene Möglichkeiten für Sweeps und wenn der BJJ Anwender die Handgelenke kontrolliert, kann er z.B. mit einer „2 on 1“ Kontrolle, eine sehr starke Zugbewegung aufbauen, während er mit den Füßen an den Hüften Druck nach vorne ausübt. Dadurch entsteht ein Schereneffekt, welcher den Gegner mit seinem Körper parallel zum Boden zwingt und ihm somit die Möglichkeiten für sinnvolle Angriffe nimmt.

Zu diesem Zeitpunkt kann den BJJ Anwender seinen Gegner auch vom Stand in eine kniende Position zwingen und ihn dort weiter angreifen. Gerade Triangle Chokes, also Würgegriffe mit den Beinen, funktionieren in diesem Szenario sehr gut. Durch die starke „2 on 1“ Kontrolle der Arme, ist auch ein starker Übergang in die geschlossene Guard möglich, um den Kampf von dort aus weiter zu führen.

Die umgekehrte Strategie
Die von mir beschriebene Strategie funktioniert natürlich auch umgekehrt. Wenn also jemand die geschlossene Guard des BJJ Anwenders aufbricht, dann lässt dieser ihn nicht einfach aufstehen und Distanz aufbauen. Er kontrolliert über den „2 on 1“ und den Füßen an der Hüfte, wenn das nicht mehr funktioniert, kontrolliert er zumindest die Füße des Gegners, um Sweeps ansetzen zu können und wenn auch diese Strategie nicht mehr aufgeht, dann bringt er zumindest seine Füße in Position zum Gegner, um die offene Guard zu verteidigen und den Gegner nicht an die eigene Flanke kommen zu lassen. Grundsätzlich kann man sagen, das die Kontrolle der offenen Guard immer stärker wird, je näher man der geschlossenen Guard kommt. Je weiter sich der Gegner von der geschlossenen Guard entfernt, desto schlechter ist auch die Kontrolle.

Aus meiner fortgeschrittenen Perspektive empfehle ich deshalb immer eine starke Closed Guard. Es macht für mich wenig Sinn den Gegner aufstehen zu lassen, ohne dabei eine starke Kontrolle auf Ihn ausüben zu können.

Dies ist auch ein wichtiger Unterschied zum sportlichen BJJ. Dort geht man halt oft davon aus, das beide Anwender in einer bestimmten Situation am Boden bleiben, bzw. zumindest Kontakt halten wollen. Dadurch sind sehr viel komplexere Bewegungen möglich. Ich habe dazu eine etwas andere Einstellung. Für mich muss eine Position zwingend sein. D.h. sie muss den Gegner wirklich in seinen Bewegungen einschränken, gerade dann, wenn es eine Position aus der Rückenlage, also irgendeine Form von Guard ist. Durch die verschiedenen Druck und Zugbewegungen versuche ich immer Schereneffekte entstehen zu lassen und mein Gewicht an den Gegner zu hängen, um Druck auszuüben. Das Video welches ich dazu in meinem letzten Artikel gepostet habe, ist nur ein Beispiel, man kann diese Effekte aus den verschiedensten Positionen erreichen.

Für mich ist die Open Guard ein notwendiges Übel. Eine Position die sehr oft vorkommt, die man braucht, die man oft trainieren muss, aber die eben meistens nur ein Übergang in die geschlossene Guard darstellt. Im sportlichen Training spielt die offene Guard eine noch viel größere Rolle, aber auch dort ist sie für mich eher Mittel zum Zweck. Ein Übergang zur geschlossenen Guard. Natürlich können von dort aus effektive Leglocks, Sweeps, Back Takes und Submissions passieren, aber die sind nur die „Kür“. Die können passieren, aber das Hauptziel bleibt für mich der Übergang in die geschlossene Guard.

Allerdings muss man auch sagen, das gerade im sportlichen Bereich eine gute Closed Guard nur durch eine gute offene Guard ermöglicht wird. Während vor 20 Jahren, manch ein Gegner noch freiwillig in die geschlossene Guard gegangen ist, um sie dann zu passieren, geschieht dies im Jahr 2020 wohl nicht mehr. Kein Gegner schenkt die geschlossene Guard, sondern wird von Anfang an versuchen an den Beinen des BJJ Anwenders vorbeizukommen. Wenn man da keine gute offene Guard hat, wird man schnell passiert werden und sich in der Side Mount Position am Rücken wiederfinden.

Aus diesem Grund bilden Open und Closed Guard eine Symbiose welche immer die maximale Kontrolle des Gegners zum Ziel hat.

Ich hoffe Ich konnte ihnen das Wesen einer „straßentauglichen“ Guard etwas näher bringen und auch wenn der Fokus in diesem Artikel auf der SV lag, nutze ich diese Form der Guard auch im sportlichen Bereich, bei dem keine Schläge erlaubt sind. Der Grund dafür ist einfach. Je besser ich einen Angreifer in seinen Bewegungen einschränken kann, desto langsamer wird das „Spiel“ und je langsamer das „Spiel“ desto weniger kann mein Gegner die Attribute der Jugend (Schnelligkeit, Explosivität, etc.) einsetzen. Von daher ist das für mich die passende Strategie für ein zeitloses und aufwandsloses BJJ.

Wer also jenseits der 25 oder sogar 35 ist und immer noch, oder gerade deshalb, ein effizientes BJJ Game haben möchte, findet mit diesem Approach einen sehr interessanten Ansatz. Wer mehr darüber erfahren möchte, warum man die Guard überhaupt in der SV einsetzt, findet meinen Artikel dazu <<HIER>>

BJJ zur Selbstverteidigung – Teil 1: Das Überbrücken der Distanz

BJJ Selbstvertedigung - Standkampf
„So weit wie nötig, so nah wie möglich“ EIn Grundprinzip des BJJ

Ich kann mich noch gut daran erinnern, es war ein grauer Novembertag, 1993 oder 1994. Meine Mutter kam von der Post und hatte ein kleines Päckchen dabei, darin war eine Videokassette mit dem Titel „Gracie in Action 2“. Ich hatte keine Ahnung was mich erwarten würde, denn bis daher hatte ich über Brazilian Jiu Jitsu immer nur gelesen, aber in dem Moment, als ich die ersten bewegten Bilder sah, wusste ich, genau das will ich lernen.:-)

Zu sehen waren dort Vale Tudo Kämpfe, also die Vorläufer des modernen MMA. Außerdem gab es einige Straßenkämpfe, Herausforderungen in der Akademie und auch ein Kampf an der Copacabana war dabei. Alles in allem eine sehr beeindruckende Mischung, die sofort meine Faszination am BJJ weckte. BJJ bedeutet mehr oder weniger regelloses Kämpfen und Selbstverteidigung, so war mein erster Eindruck dieser Kampfkunst. Das BJJ auch noch eine sportliche Komponente hat, welche genauso süchtig machen kann, wurde mir erst einige Jahre später klar.:-)

Gut 25 Jahre später hat sich das Bild des BJJ, zumindest hier in Deutschland doch stark gewandelt. Brazilian Jiu Jitsu ist für viele ein Wettkampfsport, bei dem sich zwei Athleten gegenüber stehen oder auch sitzen und technisch hochkomplexe Bewegungen ausführen. BJJ hat keine Schlagtechniken und Techniken zur Selbstverteidigung und selbst der Durchschnittsanwender lernt schon vom ersten Tag an exotische Positionen und Techniken, die er dann im Wettkampf anwenden kann.

Gerade vor ein paar Tagen fragte jemand in einer Diskussion, über einen meiner Artikel, wie denn BJJ zur Selbstverteidigung überhaupt aussehen würde, da er sich darunter gar nichts vorstellen konnte. Das hat mich verwundert, aber auch motiviert und genau deshalb schreibe ich jetzt diese neue Artikelserie. Ich möchte die Selbstverteidigungsstrategie des BJJ genauer beleuchten und vorstellen, weil ich glaube, das BJJ ein hervorragendes SV System ist, welches viel mehr Menschen erreichen könnte, als es das bisher geschafft hat.

BJJ als SV ist einfach strukturiert, funktioniert auch für weniger athletische Menschen und lässt sich auch unter Stress und mit eingeschränkter Feinmotorik anwenden und doch ist es so fundamental anders wie viele andere Systeme. Was hat es also auf sich, mit der BJJ Selbstverteidigung?

Grundsätzlich besteht die Basisstrategie aus 3 Aspekten:

  • Dem Überbrücken der Schlag- und Trittdistanz
  • Der Clinch (Kontrolle, Submission und Würfe)
  • Der Bodenkampf (Kontrolle & Submissions)

Wir werden alle 3 Aspekte ausführlich analysieren und beginnen heute im ersten Teil, mit dem Kampf in der Schlag- und Trittdistanz.

Den offenen Schlagabtausch unter allen Umständen vermeiden
Wenn man die Kampfstrategie des BJJ für die Schlagdistanz mit einem Satz beschreiben müsste, dann wäre der obige Satz wohl die perfekte Wahl. Das Hauptziel im Brazilian Jiu Jitsu ist es, den offenen Schlagabtausch zu vermeiden und so schnell wie möglich in den Clinch zu kommen und das unterscheidet es auch von vielen anderen Stilen.

Warum also, will man im BJJ keinen Austausch von Schlägen? Sind Schläge nicht effektiv?

Doch, Schläge sind in der Selbstverteidigung sehr effektiv. Ein gut gezielter Punch ist wahrscheinlich die schnellste uns eleganteste Art einen Kampf zu beenden, aber er erfordert eben ein Zusammenspiel vieler Faktoren und Fähigkeiten, die nicht immer gegeben sind. Im BJJ gehen wir davon aus, das ein Angreifer körperlich stärker und schwerer ist und über jede Menge Aggression und Schlagkraft verfügt. Vielleicht ist diese Vorstellung manchmal etwas übertrieben, aber wir sind lieber auf unseren schlimmsten Albtraum vorbereitet, als das wir jemanden unterschätzen und man sollte nie vergessen, ein Täter sucht sich ein vermeintlich schwaches Opfer und von daher wird er wohl selten jemanden angreifen, der ihm schon auf den ersten Blick körperlich überlegen ist.

Was also tun, wenn man jemanden gegenübersteht, der deutlich größer und schwerer ist und wild mit den Fäusten schwingend auf uns zugerannt kommt? Für uns ist das klar, wir versuchen uns so gut wie möglich zu schützen und so schnell wie möglich in den Clinch zu kommen, denn dort hat der Angreifer nicht mehr die Distanz die er benötigt, um effektiv schlagen zu können. Aber dazu später mehr.

Haben sie schon einmal einen Boxkampf gesehen, in dem einer der Kontrahenten deutlich unterlegen ist? Der Unterlegene versucht dann sehr oft in den Clinch zu kommen, um den Angriffen seines Gegenübers zu entgehen, leider funkt dann immer der Ringrichter dazwischen und trennt die beiden wieder, denn er weiß, im Clinch sind kaum noch Boxtechniken und K.O.s möglich und das Publikum will schließlich „Action“ sehen.:-) Trotzdem ist der Clinch im Boxen eine bewährte Methode über die Zeit zu kommen, die schon immer genutzt wurde.

Everyone has a plan until he gets hit
Dieses Mike Tyson Zitat, trifft es eigentlich auf den Punkt. Kämpfen kann nämlich manchmal sehr einfach sein. Jeder hat einen Plan, eine Strategie, ein paar Techniken an die er glaubt, aber sobald ein Volltreffer einschlägt, verliert sich das alles in einer Mischung aus Panik und Benommenheit, die kein klares Denken mehr zulässt. Ein Volltreffer im Boxen ändert alles und selbst der bewährte Clinch ist dann oft keine Option mehr, weil der Körper einfach nicht mehr gehorcht und so kann nur noch der Ringrichter den angeschlagenen Boxer vor weiteren Schäden bewahren.

Wir im BJJ sind etwas paranoid.:-) Oder vielleicht haben wir auch einfach kein Selbstbewusstsein;-) Aber wir glauben eben, wie schon erwähnt, immer daran, das unser Gegner ein gefährlicher Puncher ist und deshalb wollen wir auf keinen Fall einen Volltreffer kassieren, weil wir wissen, das im Ernstfall kein Ringrichter da ist, der uns schützt.

Im BJJ hat man diese Erkenntnis schon vor vielen Jahrzehnten gewonnen und sie immer weiter verfeinert. Man hat ein System entwickelt mit dem man den Clinch mehr oder weniger erzwingen und das Risiko eines Volltreffers minimieren kann.

So nah wie möglich, so weit wie nötig
Genau das ist eine der Basisstrategien des BJJ Standkampfes und beschreibt das Mindset das wir dabei haben, eigentlich ganz gut. In einer Kampfsituation wollen wir uns immer ganz knapp außerhalb der Reichweite unseres Gegners befinden, um nicht getroffen zu werden. Die Betonung liegt auf „knapp“ denn gleichzeitig wollen wir ihm, so nah wie möglich sein, um einen kurzen Weg in den Clinch zu haben. Wir „tanzen“ also auf der Schwelle zur Schlagdistanz, locken den Gegner in einen überhasteten Angriff oder zerstören seine Struktur für einen kurzen Moment, um dadurch in den Clinch zu kommen.

Für den BJJ Anwender gibt es grundsätzlich nur zwei Distanzen. Entweder wie eben beschrieben außerhalb der Reichweite des Gegners, oder eben ganz nah im Clinch. Alles dazwischen bedeutet für Ihn eine unkalkulierbare Gefahr, die er vermeiden möchte.

Während im klassischen BJJ der Kampf meistens als Duell anfing, d.h. beide Kontrahenten standen sich mit Abstand gegenüber und wussten das der Kampf jetzt losgeht, spielt diese Situation in der modernen Selbstverteidigung eine eher untergeordnete Rolle, bzw. hat ihren sportlichen Nutzen.

In den modernen BJJ SV Konzepten geht es hauptsächlich darum, einen überraschenden Angriff, z.B. aus einer Unterhaltung heraus, oder von der Seite, etc. zu bewältigen. Die Grundprinzipien haben sich dadurch nicht geändert, es geht immer noch daran, durch ein geschicktes Spiel mit der Distanz so schnell wie möglich in den Clinch zu kommen, aber der Kontext und die Problematik ist ein wenig anders.

BJJ Selbstvertedigung - Standkampf
Eine der Vorkampf-Positionen in Anwendung

Während in der klassischen Duellsituation das Problem darin besteht, die lange Distanz zu überbrücken und den eigenen Eingang in den Clinch so gut wie möglich zu verschleiern, geht es bei einem überraschenden Angriff, z.B. aus einer Unterhaltung heraus, darum, durch bestimmte Vorkampf-Positionen besser auf plötzliche Angriffe reagieren zu können und dabei vorher trotzdem nicht aggressiv uns eskalierend zu wirken.

Wir nutzen dafür 3 grundlegende Positionen, bei denen wir mit unseren Händen unseren Körper, bzw. unser Gesicht schützen, ohne dabei aggressiv zu wirken. Sollte die Situation jedoch eskalieren, können wir von dort aus direkt mit viel Vorwärtsdruck und einer starken defensiven Verteidigungsstruktur in den Clinch gehen. Durch das gezielte und konsequente nach vorne gehen, brechen wir das Gleichgewicht des Gegners (Kuzushi) und nehmen ihm dadurch noch mehr die Möglichkeit, harte Schläge anzuwenden.

Das Training basiert darauf, aus den Kontrollpositionen, in eine defensive Verteidigungsstruktur (die oberflächlich Ähnlichkeit mit einer Doppeldeckung hat) zu gehen und dann geschützt in den Gegner zu „crashen“, um ihm das Gleichgewicht zu nehmen und den Clinch zu etablieren. Dies funktioniert mit dem entsprechenden Training auch für Menschen die keinerlei Erfahrung mit Schlägen, oder vielleicht sogar Angst vor Schlägen haben, sehr gut und zuverlässig.

BJJ Selbstvertedigung - Standkampf
Die defensive Verteidigungsstruktur in Anwendung

Was ist mit mehreren Angreifern?
Diese Frage höre ich öfters. Was ist wenn man mehreren Angreifern gegenübersteht und der Clinch keine Option ist. Ist es da nicht besser alle Angreifer mit Schlägen kampfunfähig zu machen?

Meine Antwort darauf ist einfach: Ja es wäre besser, aber die Realität ist leider nicht wie in Hollywood und wenn man im Zweikampf mit einem gefährlichen Angreifer schon K.O. gehen kann, dann ist das Risiko bei 2 oder 3 Angreifern noch um ein Vielfaches höher.

Natürlich gibt es Fälle in denen ein Mensch sich erfolgreich gegen 2 oder 3 Gegner gewehrt hat und alle K.O. geschlagen hat, aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, wird das ein trainierter Athlet gewesen sein, der körperlich, technisch und mental top fit war. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Ich liebe Schlagen und Treten und trainiere es regelmäßig. Für mich ist es auch ein Teil des fortgeschrittenen Jiu Jitsu. Aber nach 25 Jahren als Lehrer und Coach, weiß ich einfach das die meisten Menschen nicht die idealen Trainingsparameter haben, sondern eher die minimalen.

Der „normale“ BJJ Anwender, der an Selbstverteidigung interessiert ist, wird nicht mehr als 2-3 mal pro Woche trainieren, kann sich keine blutigen Nasen und blauen Augen leisten (beruflich, privat und gesundheitlich) und hat nicht die Zeit, ein Experte in allen Distanzen zu werden. Natürlich arbeite ich mit meinen jungen motivierten Schülern, die 5-6 mal pro Woche trainieren, viel mehr und auch in alle Distanzen, aber das sind eben die Ausnahmen und nicht der reguläre Schüler.

Der kleinste gemeinsame Nenner
Vom Wortsinn her nicht 100% korrekt, aber trotzdem drückt es genau das aus. Die Standkampf Strategie des BJJ, das Überbrücken der Distanz, das Vermeiden des offenen Schlagabtausch ist der kleinste gemeinsame Nenner von Trainingspensum und Effektivität. Diese Strategie ist für „normale“ Menschen, mit einem regulären Trainingspensum umsetzbar und gleichzeitig ist sie aber auch eine solide Basis für Menschen die darauf weiter aufbauen wollen.

Ich kann nur aus meiner eigenen Erfahrung sprechen, auch wenn ich gerne im Stand kämpfe, ist die BJJ Standkampf Taktik, mein sicherster und solidester Plan. Vieles funktioniert, wenn die Dinge perfekt laufen, aber es ist beruhigend zu wissen, das es auch etwas gibt was funktioniert, wenn in der Selbstverteidigung fast alles schief läuft.;-)

Ich hoffe ich konnte in diesem ersten Teil einen kleinen Einblick in die fundamentalen Kampfstrategien und SV Taktiken des BJJ geben. Im zweiten Teil, geht es darum wie man seinen Gegner im Clinch kontrolliert und ihn entweder zu Boden oder zur Aufgabe zwingen kann. Es gibt also zu schreiben, zum Thema BJJ und Selbstverteidigung.;-)

Leglocks – Gehasst, verdammt, vergöttert;-) Teil 2: Strategie & Mechanik des Heel Hook

Bevor ich die Funktionsweise und die positionelle Hierarchie des Heel Hook genauer erläutern werde, möchte ich noch ein wenig auf die strategischen Aspekte dieser Technik eingehen. Wie also fügen sich Heel Hooks in die Gesamtstruktur des BJJ ein?

Grundsätzlich kann man die Anwendung von Beinhebel in drei große Bereiche unterteilen.

  • Angriffe aus der Guard Position (man befindet sich in der Unterlage)
  • Angriffe aus der Guard Position (man befindet sich in der Oberlage)
  • Angriffe aus dem Scramble, beim Übergang vom Stand in den Boden, etc

Angriffe aus der Guard Position (man befindet sich in der Unterlage)

Leglocks die aus den verschiedenen sitzenden oder liegenden Guard Positionen ausgeführt werden, machen den Haupteil des modernen Leglock Games aus. Der Grund dafür dürfte recht einfach sein, es macht das Spiel aggressiver und der Anwender der in der Unterlage ist, hat eben nicht nur Sweeps, sondern direkte und gefährliche Angriffe.

Wenn man sich die Entwicklung einmal anschaut, dann wird man feststellen, das in den Neunziger Jahren das Passieren der Guard auf den Knien sehr häufig war. Dadurch konnte der Kämpfer aus der Rückenlage die klassischen BJJ Techniken wie Straight Armbar, Triangle Choke, etc. erfolgreich einsetzen. Später änderte sich das Verhalten beim Passieren der Guard und die Leute begannen im Stehen zu Passieren. Dies hatte den Vorteil das Armhebel und Würgegriffe kaum noch anwendbar waren, bzw. ihre Effektivität stark zurück ging. Nur wenige Athleten, die über eine wirklich gute Closed Guard verfügten, konnten diese klassischen BJJ Techniken erfolgreich anwenden.

Beim stehenden Passieren, besteht zwar die Gefahr eines Sweeps, aber nur selten führte dieser direkt in eine dominante Position, wie z.B. Side Mount oder Mount. Gute Athleten konnten sich oft abfangen und es kam häufig zu Scramble Situationen, in denen keiner einen Vorteil erlangen konnte.

Dieses Problem wurde durch das moderne Leglock Game mehr oder weniger gelöst. Die „Leglocker“ waren fähig aus den verschiedensten Guard Positionen heraus, ein Bein zu isolieren und sich in eine sehr dominante Position zu befördern. Die sogenannte Saddle oder 411 Position, ist das, was im Kampf um den Oberkörper, die Back Mount Position ist. Die Kämpfer waren also plötzlich fähig aus einer relativ neutralen Guard Position, direkt in die sehr dominante Saddle Position zu kommen. Um die vergleichbare Back Mount Position zu bekommen, wäre der lange Weg über den Sweep, das passieren der Guard, usw. nötig und so stellt dieser neue Ansatz einen sehr effektiven „Pfad“ innerhalb des BJJ Gameplans da. Im BJJ mit Gi entwickelte sich übrigens ein ähnlicher Trend, allerdings nicht mit Leglocks, sondern Techniken wie dem Berimbolo und dem Kiss of the Dragon.

Klassische Positionen wie die Single Leg X Guard, X Guard oder (Reverse) De La Riva Guard werden als Eingänge zu den verschiedenen Heel Hook Angriffen genutzt und somit ergibt sich eine unüberschaubare Anzahl von Eingängen in die verschiedenen Beinhebel. Als Coach ermutige ich jeden fortgeschrittenen Schüler sein eigenes Spiel zu entwickeln, denn auch wenn das Endresultat, also der Hebel selber, immer gleich ist, sind die Wege dorthin doch sehr unterschiedlich und Abhängig von Körpertyp, Stil, usw. Einige meiner Schüler haben einen sehr flexiblen Stil, während mein eigener Stil eher einfach und direkt gehalten ist.

Grundsätzlich machen Leglocks aus der Rückenlage auch am meisten Sinn, weil man eben keine Posiiton aufgibt und nur gewinnen kann. Darüber hinaus bieten sich sehr viele Eingänge in den Saddle, was wie schon erwähnt eine sehr dominante Position darstellt.

Angriffe aus der Guard Position (man befindet sich in der Oberlage)

Die Eingänge aus der Oberlage gehören zu den klassischen Techniken aus den Neunziger Jahren. Damals wurde die Guard nicht passiert, sondern eben direkt mit Beinhebeln angegriffen. Grundsätzlich sind diese Techniken von ihrer technischen Ausführung her, meistens wesentlich einfacher anzuwenden.

Diese Techniken kommen allerdings heute eher selten zum Einsatz und der Grund dafür ist einfach. Warum die obere Position aufgeben, wenn man doch die Guard auch passieren könnte? Wie ich im ersten Teil der Serie schon beschrieben habe, stürzen sich viele Leglock Anfänger regelrecht auf jeden Submission, aber die erfahrenen Anwender wissen genau, wie wichtig ein komplettes positionelles Spiel ist und das die Oberlage defintiv kampfentscheidend sein kann.

Eine Ausnahme hierbei stellt der Backstep da. Diese Technik, die eigentlich zum passieren der Guard gedacht war, wird heute so angewendet, das man direkt in der Saddle Position landet und maximale Kontrolle hat. Bei den klassischen Eingängen aus den Neunziger Jahren, endet man hingegen in weniger dominanten Leglock Positionen, was das Risiko die Position zu verlieren, noch erhöht.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, das Beinangriffe aus der Oberlage wirklich nur einen kleinen Teil der Leglocks ausmacht und ich anderen Techniken dort den Vorzug gebe.

Angriffe aus dem Scramble, beim Übergang vom Stand in den Boden, etc

Die Domäne der Jugend und der Athleten. Eingesprungene Heel Hooks, Befreiungen aus der Mount direkt in einen Heel Hook, oder die Back Mount Escape die wiederum zu einem Beinhebel führt. Leglocks haben das Potential aus vielen verschiedenen Situationen heraus, überraschend und dynamisch ausgeführt zu werden. Garry Tonon vom Danaher Dead Squad ist dafür z.B. ein sehr gutes Beispiel. Auch wenn er über ein gutes positionelles Spiel verfügt, hat er unglaubliche Fähigkeiten zu improvisieren und überraschende Beinangriffe, aus den unterschiedlichsten Szenarien zu starten. Auch dieses Spiel ist wiederum sehr individuell und jeder Anwender hat dort seine eigenen Favoriten. Wer ein gutes Takedown Game hat, kann dort Verknüpfungen zwischen Takedowns und Leglocks entwickeln, ich finde die Kombination von Back Mount Escapes und Heel Hooks sehr effektiv, die Möglichkeiten sind vielfältig und es macht durchaus Sinn, in einer schlechten Position, eine Leglock Offensive zu starten, um die Karten neu zu mischen.

Ich sage immer, gute Leglocker sind wie Boxer mit einem K.O. Punch. Egal wie viel Runden sie verloren haben, sie bleiben bis zum Schluss gefährlich.

Nachdem ich jetzt so viel über die Geschichte und Funktionsweise von Beinhebeln erläutert habe, werde ich nun die Techniken selber beleuchten. Ich werde mich dabei auf die zwei häufigsten Heel Hooks, den Inside und den Outside Heel Hook beschränken. Es gibt natürlich noch viele weitere Beinhebel, aber diese beiden Techniken gehören zu den erfolgreichsten Techniken überhaupt und das sogar auf höchstem Niveau. Das gesamte moderne Leglock Game, ist mehr oder weniger auf diesen beiden Submissions aufgebaut.

Wenn man sich die Statistiken der amerikanischen ADCC Trials im letzten Jahr anschaut, wird man feststellen, das 50% aller Submissions dort, mit nur 3 Techniken erzielt wurden. 26,1% mit dem Mata Leao (Rear Naked Choke) und 27% mit Heel Hooks (11,3 Inside Heel Hook & 15,7 % Outside Heel Hook).

Natürlich kann man sich jetzt fragen ob diese Techniken so oft genutzt werden, weil sie gerade im Trend liegen, oder ob sie im Trend liegen, weil sie so effektiv sind. Ich denke die Wahrheit liegt dabei irgendwo in der Mitte, aber so oder so, man kann das Thema Beinhebel nicht ignorieren, ohne dabei einen großen Aspekt des BJJ zu vernachlässigen.

Heel Hooks
Heel Hooks sind Techniken, bei denen der Oberkörper, bzw. Oberschenkel fixiert wird, um dann den Unterschenkel mit Hilfe des Fußes (der als Hebel eingesetzt wird) zu rotieren. Diese Rotation sorgt dann für Verletzungen im Fuß, bzw. Kniegelenk. Ich sage bewusst Verletzungen, denn wie schon im ersten Teil erwähnt, ist der Heel Hook keine schmerzhafte Technik. Der Schmerz entsteht erst, wenn die Verletzung schon entstanden ist. Diesem Umstand gilt es beim Training besondere Bedeutung zuzumessen und rechtzeitig abzuklopfen.

Die verschiedenen Heel Hook Varianten setzen sich aus dem eigentlichen Hebel und einer bestimmten Kontrollposition zusammen. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen:

Outside & Inside Heel Hook

Outside Heel Hook
Diese Technik ist die „harmlosere“ Heel Hook Variante und führt meistens zu weniger schweren Verletzungen (wenn zu spät abgeklopft wird). Ich habe das Wort Harmlos, in Anführungszeichen gesetzt, denn auch diese Technik kann das Kniegelenk verletzen. Allerdings kann das Fußgelenk etwas mehr nachgeben und die Rotation besser kompensieren, als beim Inside Heel Hook. Es kann also sein das erst die Bänder im Fuß verletzt werden und nicht die Bänder im Knie.

Beim Outside Heel Hook befindet sich die Innenseite des gegnerischen Fußes an unserer Hüfte und wir führen eine Innenrotation der Hüfte aus, indem wird die Ferse mit Hilfe unserer Arme kontrollieren und dann eine Körperdrehung ausführen.

Outside Heel Hook aus der Outside Ashi Garami Position
Ein Inside Heel Hook aus der Outside Ashi Garami Position

Inside Heel Hook
Das ist der große Bruder vom Outside Heel Hook. Er ist wesentlich gefährlicher und Verletzungen der Kreuzbänder und Menisken sind definitiv zu erwarten, wenn man nicht rechtzeitig abklopft. Es gibt keine Möglichkeit den „Schmerz auszuhalten“, die Technik führt sofort zu schweren Verletzungen. Beim Inside Heel Hook, führt man eine Außenrotation an der gegnerischen Hüfte aus und da der Fuß, wenn man ihn in diese Richtung rotiert, weniger nachgibt, entsteht sofort mehr Druck am Knie. Im schlimmsten Fall reißen die Kreuzbänder, der Innenmeniskus nimmt schaden und es kann auch zu einem Knochenbruch am Fußgelenk kommen.

Inside Heel Hook aus der Backside 50/50 Position
Ein Inside Heel Hook aus der Backside 50 / 50 Position

Die Fußkontrolle
Die Fußkontrolle ist der Namensgeber dieser Techniken, denn man hakt quasi mit seinem Arm die Ferse des Gegners und rotiert dann den Fuß. Grundsätzlich gibt es da verschiedene Griffvarianten, wichtig ist jedoch immer, das man eben nicht nur die Ferse rotiert, weil dies zu einem sehr schwachen Hebel führen würde. Ein wirklicher starker Hebel entsteht nur, wenn man den Fuß so fixiert, das die Kraftübertragung über den Spann, bzw. die Fußzehen geschieht. Dadurch das der Fuß als Hebel genutzt wird, hat man ungefähr den Effekt einer Ratsche. Dreht man nur die Ferse, ist der Effekt eher wie bei einem Schraubenzieher. Das Gefühl dafür zu entwickeln ist nicht ganz einfach, aber essentiell wichtig, um bei erfahrenen Gegnern eine Drohkulisse aufzubauen, die merken nämlich recht schnell, ob der Hebel wirklich sitzt, oder man einfach nur die Ferse klammert.

Nahaufnahme eines Inside Heel Hook
Nahaufnahme der Fußkontrolle

Das war der zweite Teil meiner Artikelserie: Leglocks – Verdammt, gehasst, vergöttert. Im dritten Teil werde ich die zwei Kontrollsysteme und die 8 grundlegenden Kontrollpositionen dieser Systeme erläutern. Seit gespannt.:-)