Zurück in die Vergangenheit – Teil 3: Vom Wolf zum Flow

Flow

Kampfkunst, die Kunst zu Kämpfen, der Weg ein Krieger zu sein. Mut, Tapferkeit, Stärke, Ehre, alles Attribute die man mit diesem Weg verbindet.

Auch wenn es heute keine Samurais mehr gibt und Kämpfe nicht mehr auf dem Schlachtfeld, sondern wohl eher auf der Straße, Matte oder im Ring ausgetragen werden, ist der Wunsch nach Kampfkraft und Stärke, für viele Menschen immer noch die Triebfeder mit dem Training zu beginnen.

Die Welt ist schließlich schlecht, so scheint es, für Schwäche ist kein Platz und genau deshalb ist es so wichtig die richtige Wahl zu treffen. Kampfkunst ist heute mehr denn je, kein Platz zum Experimentieren, es geht um Funktion und Rationalität.

Alles ist erlaubt, es wird geschlagen, getreten, gewürgt und gebissen, selbst Waffen kommen zum Einsatz, denn der Mensch an sich ist schlecht, er ist ein wildes Raubtier und um zum Überleben, müssen wir zum Wolf werden, wir müssen kämpfen, auf Alles vorbereitet sein, wir sind keine Täter, aber noch weniger werden wir Opfer sein, das steht fest, dafür nehmen wir alles in kauf.

Vielleicht war es unsere eigene Unsicherheit, das Gefühl von Schwäche und Hilflosigkeit, das uns irgendwann als Kind oder auch später im Leben, den Weg des Kämpfers einschlagen hat lassen. Nie wieder, nie wieder würden wir dieses Gefühl einfach so zu lassen und deshalb wurde aus Angst, Wut und aus Wut wurde Aggression und um diese Aggression zu rechtfertigen und um damit leben zu können, mussten Feinde geschaffen werden, denn wenn es keinen Feind gibt, wozu dann der ganze Aufwand?

Der Weg des Kriegers ist kein einfacher Weg, denn zu viele Kampfkünste funktionieren nicht, leiten uns in die Irre, bringen uns von dem Weg ab. Wir brauchen das beste, das härteste, das kompromissloseste System und wenn es das nicht gibt, dann basteln wir uns es einfach, es braucht nicht viel, ein paar vage Ideen, einfache Bewegungsabläufe und viel Aggression.

Die Idee ist simpel, wir kämpfen überall, im Stehen, im Clinch, am Boden, mit Waffen, ohne Regeln, gegen mehrere Angreifer, im Käfig auf der Straße oder im Ring. Wo und wie auch immer, wir sind bereit, bereit weil wir Wölfe sind, oder bereit weil das kleine Kind in uns, niemals das Gefühl der Unsicherheit verloren hat.

Im Gegenteil, es ist noch viel unsicherer und gieriger geworden, fordert seinen Tribut. Wir müssen kämpfen, jeden Tag. Wir müssen uns beweisen, nichts ist wirklich sicher und nur wer vorbereitet ist, hat überhaupt eine Chance.

Vielleicht tut es manchmal weh, fühlt sich verloren an und wir fragen uns, ob das wirklich unser Leben sein soll, aber schnell werden wir zurück in die Realität geholt, zum Träumen ist kein Platz, nur Fakten zählen, also lecken wir unsere Wunden, beißen die Zähne zusammen, überwinden die Müdigkeit und machen weiter, nur als Wolf haben wir schließlich eine Chance und daran zu Zweifeln wäre töricht.

Nur wer kämpft, wer hart arbeitet, wer leidet und Opfer bringt, dem setzen wir ein Denkmal und ohne große Kämpfe, keine großen Helden und wenn wir keine Helden sind, dann sind wir Opfer und das darf nicht sein, dafür sorgt das kleine, unsichere Kind in uns, jeden Tag mehr.

Freude weicht Pragmatismus, unsere Kreativität ist versteinert. Freisein bedeutet dem Leben Vertrauen und das können wir nicht tun, dafür ist die Welt zu schlecht und deshalb sind wir niemals mehr frei, lassen nicht los, sind Opfer unserer Gedanken und bleiben auf ewig das ängstliche, kleine Kind, unsicher und voller Misstrauen.

Die letzte Schlacht des Kriegers beginnt, wenn wir uns stellen. Wenn wir aufhören das ängstliche Kind in uns zu füttern. Wenn wir still werden und akzeptieren.

Dieser Kampf ist nicht leicht, wir spüren das er uns alles nimmt was wir bisher geliebt haben, unsere Identität, unsere Werte, unseren Platz in der Illusion die wir Realität nennen, alles steht auf dem Spiel. Nichts ist mehr sicher und doch wissen wir, das dahinter eine Freiheit wartet, die soviel mehr ist, als das, was wir bisher erlebt und zugelassen haben.

Wir sind Wölfe, irgendwo in dieser Hierarchie haben wir unseren Platz und dafür haben wir schließlich auch geblutet, geschwitzt und geweint und jetzt……..jetzt lassen wir das alles los. Angst trifft uns, sind wir verrückt, ist das der falsche Weg, verlieren wir jetzt alles, für das wir solange gearbeitet haben? Haben wir uns verirrt, hat uns unsere eigene Schwäche zu solchen Gefühlen verführt?

Unsicherheit, die Schwester der Angst, greift uns an. Ein letztes Mal, mit all ihrer Gewalt, all ihrer Verzweiflung, denn dem Wolf sind schon Flügel gewachsen und wir spüren die Großartigkeit dieser Veränderung.

Wir schauen in den Spiegel, wer sind wir? Was passiert gerade und plötzlich erkennen wir, dass wir kein W O L F mehr sind. Alles hat sich verändert, nichts ist wie es war und plötzlich spüren wir den F L O W. wir fließen mit dem Leben, halten uns nicht mehr fest, lassen los und haben Vertrauen.

Alles fühlt sich leicht an, selbst wenn wir Kämpfen, tun wir nichts, sondern sind einfach nur. Kein Gedanke, keine Angst, keine Emotion die das JETZT verschleiert. Wir sind frei, wir kämpfen nicht einmal, wir stehen im Auge des Orkans, ohne von seiner Wucht getroffen zu werden.

Es stellt sich keine Frage nach Effizienz, nach Technik und Strategie, wir schließen die Lücke zwischen UNS und dem JETZT, wir SIND.

Unsere eigene Identität, löst sich auf und wir sind eins mit unserem Gegner, eins mit diesem Moment, es gibt nichts was dieser Einheit entgegensteht, was sie angreifen könnte. Die Frage nach Sieg und Niederlage stellt sich nicht, rationale Gedanken verlieren ihre Bedeutung, alles löst sich auf im kosmischen Ozean der Unendlichkeit und wir spüren plötzlich wieder das Kind in uns.

In diesem Augenblick fühlen wir, was uns all die Jahre gefehlt hat. Wir wollten niemals kämpfen, wir wollten keine Krieger werden, wir waren auf der Suche nach diesem wunderbaren Gefühl der Unendlichkeit. Nach dieser bedingungslosen Liebe, nach dieser großen Stille, die uns mit Allem verbindet, die nichts ausschließt und uns erfüllt.

Die Reise vom Wolf zum Flow, war nicht umsonst, sie war nicht unnötig, oder hätte vermieden werden können, sie war perfekt, so perfekt wie jeder Moment in diesem Leben. Wir haben gekämpft, gewonnen und verloren. Gut und Böse, der Kontrast dieser Welt, zeugte unsere Wünsche. Geboren durch die Stille, Erfahren durch uns.

Zurück in die Vergangenheit – Teil 2: Die sieben Tugenden des BJJ

Sieben Tugenden BJJ
Yoga Atmung im Jahr 2012

Anmerkung: Auch dieser Artikel stammt aus dem Jahr 2012 und folgte damals dem ersten Artikel meiner Serie. Hier geht es mehr um die mentalen und spirituellen Aspekte des BJJ. Einiges würde ich heute anders formulieren, aber viele Sachen treffen genau den Punkt.

Die sieben Tugenden des Jiu Jitsu

Mein letzter Artikel „Wie Street ist dein Jiu Jitsu?“ behandelte hauptsächlich die kämpferische Seite dieses Stils. Heute geht es um die inneren Werte der „Sanften Kunst“. Ich möchte einmal ausführlich über die 7 Tugenden des Jiu Jitsu schreiben, die diese Kunst durch und durch geprägt und geformt haben. Egal ob auf den Schlachtfeldern im alten Japan, an den Stränden von Rio, oder den Straßen und Käfigen der Neuzeit. Jiu Jitsu ist nicht einfach nur ein Weg um Kämpfe zu gewinnen, sondern eine Lebensphilosophie, die Menschen schützt, heilt und vor unnötiger Aggression und Gewalt schützt.

Was also sind die 7 Werte des Jiu Jitsu, wie wirken sie sich auf den Anwender aus und warum sind sie so wichtig?

Andere Menschen und sich selbst nicht vorsätzlich verletzen
Jiu Jitsu bedeutet übersetzt „Sanfte Kunst“ und lässt damit schon im Namen erkennen, was die wichtigste Eigenschaft dieser Kampfkunst ist. Es ist der Weg, einen potentiellen Angreifer zu besiegen und ihn dabei so wenig wie möglich und nur soviel wie nötig zu verletzen. Egal wie groß die Aggression auch sein mag, der Jiu Jitsu Kämpfer lässt sich nicht vom Hass seines Gegners anstecken und antwortet auf Gewalt mit ruhigem Geist und reinem Herzen.

Im Jiu Jitsu geht es nicht darum einen Angreifer zu zerstören oder zu betrafen, denn jede Bewegung die man mit Wut und Aggression ausführt, schädigt auch den eigenen Körper und hinterlässt ihre Spuren. Darüber hinaus wussten die alten Meister wie negativ sich starke Emotionen auf die eigene Leistung auswirken. Nur wer mit leerem Geist in den Kampf geht, hat die Möglichkeit sein volles Potential zu nutzen. Aggression ist letzlich nur eine andere Form von Angst, die uns einschränkt und uns unserer Möglichkeiten beraubt.

Auf einer höheren Ebene sind wir Menschen energetisch alle miteinander verbunden und jeder Angriff auf einen anderen Menschen ist letztlich nur ein Angriff auf sich selber. Deshalb lehrt Jiu Jitsu eine sanfte Kunst der Verteidigung, wobei sanft nicht mit schwach verwechselt werden sollte. Wer Jiu Jitsu trainiert, trainiert für einen gesunden und starken Körper. Die Wahrung und Wiederherstellung der Gesundheit ist das höchste Gut dieser Kampfkunst. Helio Gracie, der 95 Jahre alt wurde und bis 2 oder 3 Tage vor seiner Transformation in die geistige Welt noch auf der Matte stand, ist dafür das beste Beispiel.

Es werden keine Übungen ausgeführt, die den Körper abhärten oder abstumpfen lassen oder ihn auf irgendeine Weise bewusst schaden. Unnötige Verspannungen und Verkrampfungen werden vermieden und die Bewegungen sind meist relativ flüssig und entspannt. Rickson Gracie, der vielleicht beste Jiu Jitsu Kämpfer der Neuzeit, legt einen großen Fokus auf Atmung und innere Organisation des Körpers. Nur wer mit sich selbst im Einklang ist und mit seinem Körper arbeitet, trainiert im Geiste des Jiu Jitsu

Ehrlichkeit zu sich selber und anderen
Jiu Jitsu lehrt Ehrlichkeit, denn die vielleicht ehrlichste Form des Informationsaustauschs ist die Berührung. Worte können lügen und verwirren, aber die unbewussten Bewegungen eines Menschen zeigen seinen wahren Charakter. Jiu Jitsu basiert auf handfesten Konzepten, auf Trainingskämpfen und intensiver körperlicher und geistiger Arbeit. Wer sich auf diese Art und Weise mit sich selber beschäftigt, wird fast täglich mit seinen Stärken und Schwächen konfrontiert und es gibt keinen Platz für Lügen und Fantasiewelten. Man erfährt die unterschiedlichsten Emotionen während des Trainings, muss sich seinen Ängsten stellen und das eigene Ego bezwingen, das zwangsläufig immer irgendwann in diesem Prozess auftaucht und Tribut gezollt haben will.

Wer Jiu Jitsu lernt, lernt wie er sich aus den schlechtesten Situationen des Zweikampfs befreien kann. Es gibt erst einmal keine strahlend-schöne Kicks oder beeindruckende Schläge, sondern man befindet sich am Boden, im Schwitzkasten. Man hat alles falsch gemacht, was man falsch machen kann, und JETZT beginnt man damit wieder die „Kohlen aus dem Feuer“ zu holen und sich zu befreien. Was könnte ehrlicher sein? Nur wer seine eigenen Schwächen akzeptiert, kann sie überwinden. Wir sind keine Superhelden. Wir werden geschlagen, wir fallen auf den Boden, jemand würgt uns. Kein Platz um Stolz zu sein und genau das ist der Anfangspunkt des Jiu Jitsu.

Aus dieser Ehrlichkeit heraus, entwickelt man seine Fähigkeiten und wer lange genug trainiert, kann Dinge tun, die am Rande des menschlichen Vorstellungsvermögens sind. All das ist möglich, aber beginnen tut die Reise mit einer tiefen Ehrlichkeit, gegenüber anderen Menschen. und sich selber.

Akzeptanz
Akzeptanz ist ein wichtiger Schritt bei der Entwicklung zu den tieferen Ebenen des Jiu Jitsu.
Der Kämpfer akzeptiert die Welt so wie sie ist. Er wie? von Gut und Böse, Liebe und Hass und den anderen Gegensätzen der Polarität. Im Jiu Jitsu lernt man sich aus schlechten Positionen und gefährlichen Techniken zu befreien. Man versucht nicht diese zu verleugnen und sagt, dass man sie von vorneherein vermeiden kann, sondern akzeptiert die Tatsache, dass man als Mensch Fehler macht.

Diese Akzeptanz schenkt Freiheit, denn wenn man weiß dass man sich auch aus schlechten Positionen (im Leben wie auf der Matte) befreien kann, verliert man die Angst davor. Aus dieser Akzeptanz schöpft man dann die Kraft und Kreativität, Techniken und Bewegungen zu erschaffen. Diese Erfahrung macht ruhiger und entspannter und man hört auf, Dinge voreilig zu be- oder verurteilen. Man macht keine Schnellschüsse, reagiert nicht über und will auch keine Garantien für irgendetwas.

Man akzeptiert das Leben, das Chaos des Kampfes und die Wunder der Schöpfung auf einer tieferen Ebene. Die Gedanken die immer sofort nach einer Lösung suchen, sind abgeschaltet und eine gewisse Ruhe und Stille ergreift das eigene Sein. Aus dieser Erfahrung schöpft man Kraft und Sicherheit und verändert sich körperlich wie auch geistig. Man wird ruhiger, präziser und hat ein besseres Gefühl.

(Mit)Gefühl

Auch wenn wir Menschen spirituell alle miteinander verbunden sind, tun die Menschen oft ihr Bestes diese Verbindung zu zerstören. Gefühl für andere Menschen und auch für sich selber, wird ersetzt durch einen inneren Dialog und eigene Konstrukte des Egos. Auf körperlicher Ebene sind es vorgeplante Techniken und Strategien, die dies zum Ausdruck bringen. Man reagiert nicht auf den eigenen Körper oder die Aktionen des Gegners, sondern auf das, was das eigene Ego, der eigene Geist vorher konditioniert und geplant hat.

Der Jiu Jitsu Kämpfer entgeht diesem selbstgebauten Käfig, indem er Körper und Geist von unnötigen Verspannungen und Emotionen befreit. Rickson Gracie sagte einmal: „I´am on a zero point connected with everything“ und das spiegelt gut die Philosophie des Jiu Jitsu wieder. Man fühlt seinen Gegner, weil man sich selber fühlen kann und je mehr man den eigenen Körper wahrnimmt, desto mehr liefert dieser Informationen über die Umwelt, bzw. den möglichen Angreifer.

Unser Ego ist nur sehr begrenzt fähig, Informationen über so komplexe Abläufe wie einen Zweikampf (oder auch das Leben;-) zu liefern. Fühlen ist denken auf einer höheren Ebene, unter Einbeziehung all unserer körperlichen und mentalen Fähigkeiten.

Dankbarkeit
Dankbarkeit entsteht aus der Tiefe, mit der Jiu Jitsu einen Menschen verändert. Sie gibt Selbstvertrauen, besiegt die eigenen Ängste, befreit den Körper und beruhigt den Geist und gibt uns darüber hinaus, die Mittel einen Angreifer schnell und effektiv zu besiegen. Jiu Jitsu ist nicht nur einfach ein Sport oder eine Selbtverteidigung, sondern etwas viel Persönlicheres. Ich kann mich gut daran erinnern, wie Jiu Jitsu mich in guten und schlechten Zeiten begleitet hat und immer irgendwie da war. Selbst, wenn man es körperlich nicht ausführen konnte war seine Präsens zu fühlen.

Jiu Jitsu ist eine Kampfkunst für das Leben und diese positive Energie erfüllt mit Dankbarkeit und Demut. Es geht plötzlich nicht mehr darum, was andere tun können, und ob man selber das richtige tut. Zweifel verstummen, Ängste und Wut lösen sich auf. Diese tiefe Dankbarkeit löst alle negativen Energien auf und stärkt gleichzeitig auch die anderen Werte des Jiu Jitsu. Wer dankbar ist, hat mehr Gefühl für sich und seine Mitmenschen, akzeptiert leichter, ist ehrlicher zu sich selber und will niemanden unnötig verletzen. Es ist der Sieg der Menschlichkeit über Wut und Zerstörung und Dankbarkeit ist die logische Konsequenz dieses Prozesses.

Demut
Jetzt wird es tief, richtig tief. Demut steht in unserer heutigen Gesellschaft nicht wirklich hoch im Kurs, denn das eigene Ego mag keine Demut. Wir glauben, uns über alles erheben zu können und fühlen uns wie Götter. Das Ironische daran ist, genau dieses Erheben trennt uns vom Göttlichen, von der Energie, die uns vereint. Das Gegenteil von Demut ist Stolz. Wir sind stolz auf unseren Stil. Unser Stil ist besser, cooler, brutaler, weicher, härter, usw. als die anderen Stile und deshalb sind wir besser. Stolz wirkt wie eine Droge, erst kommt der Rausch, doch irgendwann ist das Leid unvermeidbar, denn die Sucht nach äusserlicher Anerkennung wird immer größer.


Demut entsteht, wenn wir begreifen, dass nicht wir tun, sondern dass durch uns getan wird. Es gibt etwas, dem wir vertrauen können. Wenn wir loslassen, wenn wir uns hingeben, wenn wir Demut zeigen, dann bekommen wir Zugang zu dieser Kraft. Demut kommt mit Dankbarkeit. Je mehr der Jiu Jitsu Kämpfer erkennt, dass es keine Grenzen gibt, dass das eigene Wachstum nie aufhört und dass die Geheimnisse dieser Kunst nicht in Äußerlichkeiten, sondern tief im menschlichen Sein zu finden sind, desto mehr wird er diese Energie fühlen.

Wer Misogi Übungen und Atemtechniken ausführt, um Körper und Geist zu reinigen, wird oft dieses tiefe Gefühl von Demut empfinden. Eine tiefe Liebe, die dem Jiu Jitsu Kämpfer Vertrauen und Glauben schenkt, ihn unabhängig werden lässt und den Wunsch des Egos nach äußerlicher Bestätigung auflöst.

Stille
Die Stille ist der Schlüssel zum göttlichen. Jiu Jitsu ist ein Weg das eigene Ego zu beruhigen und den Strom der eigenen Gedanken für einige Zeit komplett zum Stillstand zu bringen. Wer die Stille erfährt, hat in das Angesicht der allumfassenden Wahrheit geblickt und wird in diesem Zustand keine Fragen mehr haben. All die Werte des Jiu Jitsu führen zur Stille und gleichzeitig führt die Stille auch zu all den anderen Werten dieser Kunst. Die Illusion der Trennung ist in diesem Moment aufgehoben und man fühlt die spirituelle Enrgie, der wir alle entspringen. Wer die Meisterschaft des Jiu Jitsu erlangt hat, ist in dieser Stille und erschafft seine Bewegungen aus diesem Zustand heraus.

Er ist frei, keine Emotion, kein Zweifel, kein unnötiges Klammern. Die richtige Bewegung, passiert zu richtigen Zeit. Man erschafft und vergisst und vor allem ist es einem egal, denn nicht das Ergebnis, sondern der Moment zählt für einen. Die 7 Tugenden des Jiu Jitsu, sind keine pragmatische Anleitung für mehr Erfolg auf der Matte, sondern der Versuch, das Unausprechliche in Worte zu fassen. Es geht nicht um Kampf, Wut und Aggression, sondern um Heilung, Verständnis und Freiheit. Die sanfte Kunst, eine Kampfkunst für den Menschen.