Self Defense First – Warum Selbstverteidigung beim BJJ an erster Stelle stehen sollte

Self Defense

„Self Defense First“ ist nicht nur ein Spruch, sondern etwas was ich so erleben durfte. Ich glaube, ich habe schon einmal über meine ersten Erfahrungen mit dem BJJ in den Neunziger Jahren geschrieben. Von daher brauche ich mich jetzt nicht großartig zu wiederholen. BJJ war für uns damals Kämpfen, egal ob Selbstverteidigung, Kämpfe im Ring oder Dojo Challenge Fights, Brazilian Jiu Jitsu war zum Kämpfen gemacht und so trainieren wir es auch heute noch. Leider ist der SV und Kampf Aspekte im BJJ immer weiter in Vergessenheit geraten und es gibt nur einige wenige Schulen, die diese Aspekte als regulären Teil ihres Trainings unterrichten. BJJ wurde zu einem modernen Wettkampfsport, einer Subkultur, welche plötzlich vollkommen neue Werte und Ideale hat und nur für wenige Menschen wirklich attraktiv ist.

Hätte ich damals ein Sport BJJ Video aus dem Jahr 2020 gesehen, wäre ich niemals auf die Idee gekommen, diese Kunst zu praktizieren. Warum sollte ich mich auf den Boden setzen und dann irgendwelche extrem beweglichen und athletischen Bewegungen ausführen, um mich damit selber zu verteidigen? Verstehen Sie mich nicht falsch, Sport BJJ ist ein extrem technischer und anspruchsvoller Wettkampfsport und ich mag die No-Gi Version auch selber sehr gerne, aber ohne den Bezug zum realen Kämpfen, hätte ich niemals verstanden, warum ich überhaupt am Boden kämpfen sollte.

Wenn man BJJ betrachtet, muss man ehrlich zugeben, das es nur eine Randsportart ist. Eine Subkultur, junger, athletischer Menschen, die den Lifestyle und Wettkampfaspekt dieser Sportart mögen und sie deshalb praktizieren. So wird es nach außen propagiert, so wird es unterrichtet und so wird es sich wahrscheinlich auch immer weiter entwickeln.
Es hat wenig praktischen Nutzen für Menschen die Selbstverteidigung lernen wollen. Es bietet keine speziellen SV Techniken, es ist physisch extrem anspruchsvoll und das gesamte Training ist auf den Wettkampfaspekt ausgerichtet und genau deshalb finden nur sehr wenige Menschen den Weg zum BJJ, bzw. werden sofort abgeschreckt, wenn sie auf der Suche nach einer Selbstverteidigung sind.

Ich finde das sehr schade und habe mich schon seit einiger Zeit dazu entschlossen diesem Trend entgegen zu treten. Ich glaube nämlich das BJJ, richtig unterrichtet, eine hervorragende Selbstverteidigung für fast jeden Menschen ist und auch eine enorme Bereicherung im Bereich der SV sein kann. BJJ bietet ringerische Lösungen, um einen Konflikt zu lösen und genau das hat viele Vorteile, welche ich in diesem Artikel, vor einiger Zeit beschrieben habe. Ich bin überzeugt davon, das der Selbstverteidigungsaspekt im BJJ am Anfang des Training stehen muss und das jeder Schüler diesen Prozess durchlaufen sollte. Warum und welche Vorteile das bietet, ist Thema dieses Artikels.

Der Sinn des BJJ liegt in der SV
Warum ist die Mount Position eine bessere Position als die Guard Position? Warum ist Back Mount besser als Side Mount? Im BJJ Wettkampf gibt es für Mount und Back Mount die meisten Punkte, aber warum ist das so? Warum kriege ich nicht die gleichen Punkte, wenn ich meinen Gegner in den Schwitzkasten nehme? Nun, man könnte dem geneigten Neuling einen längeren Vortrag über die technischen Möglichkeiten innerhalb der verschiedenen Positionen halten, oder einfach locker mit Schlägen rollen und ihm zeigen, in welcher Position er am hilflosesten ist und er die meisten Schläge einsteckt. Bei der zweiten Möglichkeit, hat er dies schon nach wenigen Momenten unmissverständlich begriffen, auch wenn er sonst keine Ahnung vom BJJ hat.

Genau das ist der Punkt, die Anwendung des BJJ im realen Kampf, verdeutlicht sofort, warum die Kampfkunst so ist, wie sie ist. Die positionelle Hierarchie, der Fokus auf „Position over Submission“, all das kann der Schüler besser verstehen, wenn er sieht wie BJJ im Kontext der SV funktioniert. Damit entwickelt er von Anfang an ein besseres und präziseres Verständnis für die von ihm praktizierte Kampfkunst. Auch wenn er danach vielleicht nur noch Interesse an den sportlichen Aspekten des BJJ hat, wird diese Anfangszeit ihn prägen und sein BJJ auf eine bestimmte Art und Weise definieren.

BJJ für alle Menschen
Nicht jeder Mensch hat Lust ein richtiger Athlet und Kämpfer zu werden und sich sportlich mit BJJ zu messen. Genau deshalb sind viele Menschen auch abgeschreckt. Die Vorstellung sich mit schwitzenden Menschen am Boden herum zu rollen und dabei gewürgt zu werden, ist für viele potentielle SV Interessenten unangenehm. Ja es ist realistisch, ja es gehört später im BJJ dazu und ja es macht auch die SV Fähigkeiten besser, aber Fakt ist nun einmal das viele Menschen so abgeschreckt sind, das sie diesen großen Schritt gar nicht erst wagen. Genau hier kommt das Selbstverteidigungstraining ins Spiel. Es bietet einen angenehmeren und einfacheren Rahmen, um mit dieser Kampfkunst anzufangen. Technische Abläufe und Simulationen sind besser skalierbar und bieten schnellere Erfolgserlebnisse.

In dieser Zeit lernt der Schüler BJJ besser kennen und kann langsam an die Realität des sportlichen Rollens herangeführt werden. Nicht alle werden es mögen, bzw. praktizieren, aber es werden mehr Menschen den Sprung schaffen, als ohne SV Training. Darüber hinaus können die Leute, die keine Ambitionen am sportlichen Zweikampf haben, weiter abwechslungsreich und realistisch trainieren und so dabei helfen, die Kampfkunst weiter zu verbreiten und wachsen zu lassen.

BJJ und die Rentabilität einer Schule
Wer eine Kampfkunstschule beruflich oder nebenberuflich betreibt, hat natürlich auch den finanziellen Erfolg im Sinn. Selbst wenn man ein „Hardcore Gym“ betreibt und nur Wettkämpfer ausbildet, muss die Miete und die anderen Kosten schließlich bezahlt werden und da die Unterrichtspreise im BJJ nur ein Viertel von denen in den USA betragen, braucht man dazu eben auch eine menge Schüler. Das BJJ Selbstverteidigungstraining ist, wie schon beschrieben, eine sinnvolle Ergänzung für fast alle Menschen und hat einen enormen Mehrwert. Während Sport BJJ meist nur etwas für einige wenige Enthusiasten ist, bietet die Selbstverteidigung ein breites Spektrum an Schülern, denn wie schon gesagt, kann es fast jeder gebrauchen und für sich nutzen. Ich vergleiche das SV Training gerne mit einem Trichter der viele Menschen in die eigene Schule führt, nicht alle werden bleiben und langfristig trainieren, aber es werden doch immer einige übrig bleiben und der „Trichter“ sorgt für immer neue Schüler.

Tradition bewahren und weiterentwickeln
BJJ ist aus Tradition Kampfkunst und Selbstverteidigung. Erst war das Kämpfen und viele Jahrzehnte später, erst der sportliche Wettkampf. Diese Tradition hat BJJ stark gemacht und über viele Jahre wachsen lassen. Selbst als Royce Gracie, 1993 den ersten UFC gewann, war BJJ in erster Linie eine Kampfkunst und kein Sport. Ich habe diese Tradition noch so erlebt, denn die Blackbelts und Meister in den Neunziger Jahren, waren nicht nur guter Sportler, sondern fast immer auch gute Kämpfer. Während sich das sportliche BJJ mit und ohne Gi immer weiter entwickelt und geradezu explodiert, fristet das BJJ zur SV doch eher ein Schattendasein. Dabei hat es ein riesiges Potential und ist noch lange nicht am Ende seiner Entwicklung angekommen. Von daher gibt es hier die Chance nicht nur eine Tradition zu bewahren, sondern eine Kunst weiter zu entwickeln, die andernfalls in Vergessenheit geraten würde.

Bereit für den Ernstfall
Körperliche Gewalt kann jederzeit und überall passieren egal wie gut man das sportliche BJJ beherrscht, in Situationen voller Chaos, Aggression und Adrenalin, ist es wichtig sich auf wenige, einfache Techniken verlassen zu können. In einer perfekten SV Situation klappt vieles, aber leider sind die wenigsten SV Situationen perfekt und man wird überrascht und macht Fehler. Um in solch einer Situation handlungsfähig zu bleiben, ist es wichtig, starke Grundlagen zu haben, die man auch unter Stress durchziehen kann. Von daher hat das „einfache“ Selbstverteidigungs-BJJ auch seine Berechtigung für fortgeschrittene Anwender.

Eine Ode an den Sport
Bevor ich diesen Artikel beende, gibt es noch eine Ode an das No-Gi Sport BJJ. Ich liebe es.;-) Ich würde es nie missen wollen, aber ich würde auch nie den Bezug zur SV verlieren wollen.
Sportliches Rollen mit Leuten die genau wissen, wie man eine Technik kontert, ist eine ständige Herausforderungen und entwickelt das eigene BJJ auf ein extrem hohes Level. Es steigert die sportspezifische Kraft, Ausdauer und Geschicklichkeit und hilft dabei ein besserer Mensch zu werden. Wenn ich mit jemanden jahrelang trainiere und z.B. einen Würgegriff ansetzen will, dann weiß meiner Partner genau was ich von ihm will, er kennt meine Technik, hat einen Konter dafür und ist körperlich aufs BJJ eingestellt. Wenn das dann bei ihm klappt, dann klappt das gegen einen untrainierten Gegner auf der Straße erst recht.

Auf der anderen Seite, zieht mein Trainingspartner beim sportlichen Rollen auch nicht plötzlich ein Messer…..Sie merken, die Anforderungen und Ziele von Sport und SV haben ihre Schnittmenge, aber auch ihre Differenzen. Nur wenn man beide Aspekte versteht und trainiert, kann man seine optimale Leistung abrufen und ständig weiterentwickeln.

SV ist ernst, ohne Schnörkel, ein bisschen hart und gewalttätig. Sport BJJ ist kreativ, spielerisch, Futter für die Seele und für die Entwicklung des eigenen Nervensystems hin zu immer komplexeren Bewegungsabläufen. Beide Seiten sind für die Entwicklung eines Menschen wichtig. Es gibt Zeiten der Gewalt und Zeiten des Friedens, manchmal muss man kämpfen und manchmal Spielen. BJJ verbindet beides und genau das gibt dieser Kunst ihre Seele.

Zurück in die Vergangenheit – Teil 1: Wie Street ist mein Jiu Jitsu

Street Jiu Jitsu
Oldschool BJJ mit Rickson Gracie im November 2012

Anmerkung: An dieser Stelle möchte ich einmal einige Artikel aus den Jahren 2006-2012 veröffentlichen. Nicht alles was ich damals geschrieben habe, hat heute noch Bestand, aber es gibt doch erstaunliche Parallelen zu meinen aktuellen Texten. Den Anfang macht „Wie Street ist mein Jiu Jitsu – 8 Fragen die sich jeder Grappler stellen sollte“, ein Artikel aus dem Jahr 2012, einer Zeit in der ich sehr stark dem „Oldschool BJJ“ verbunden war.

Wie Street ist mein Jiu Jitsu – oder 8 Fragen die sich jeder Grappler stellen sollte

Die guten alten Neunziger. Im Radio lief Jam and Spoon, Brazilian Jiu Jitsu war fast vollkommen unbekannt und die Leute die es kannten, wussten das Royce Gracie „The baddest man on the planet“ war….

BJJ war für uns damals eine Form der Selbstverteidigung. Royce ging in den Käfig, es gab nahezu keine Regeln und er besiegte jeden seiner Gegner, mal mit Leichtigkeit und mal mit viel Dramatik. Submission Wrestling oder Sport BJJ war für uns überhaupt nicht existent und ich denke das es nicht vor 97 oder 98 war, das wir das erste Mal davon hörten. Jiu Jitsu war Kampf, es war die sanfte Lösung für ein gewalttätiges Problem und genau das hat uns so daran fasziniert. Knapp 20 Jahre später ist alles anders. Grappling boomt, wenn auch nicht in Deutschland, so zumindest in den USA und es gibt eine riesige Wettkampfszene, die dazu beigetragen hat, das das sportliche Grappling Quantensprünge gemacht hat.

Für uns war Submission Wrestling immer eher ein Trainingstool, mit dem wir bestimmte Fähigkeiten des Kämpfens verbessern wollten. Es war nur Mittel zum Zweck und kaum einer meiner Schüler (inkl. mir), kannte sich mit der Punktevergabe und den Regeln aus. Das lag vielleicht auch daran, das in dieser Zeit sowieso fast alles erlaubt war, was irgendwie aus dem BJJ, Judo oder Grappling stammte. Der Trend zum sportlichen Grappling ist nicht uneingeschränkt schlecht, er hat viele Vorteile, aber wer BJJ zum Kämpfen nutzen möchte, der sollte sich ein paar Fragen ehrlich beantworten.

1. Hab ich Angst vor Schlägen und Tritten, bzw. kann ich sie abwehren?
Auch wenn viele Kämpfe am Boden enden, sie beginnen meistens im Stand und zwar in einer Distanz, in der man getreten oder geschlagen werden kann. Diesem Stress muss man sich im Training stellen, um sich daran zu gewöhnen und das richtige Timing für seine Würfe zu entwickeln. Einfaches nach vorne Stürmen, ist keine Lösung und hält so manch böse Überraschung bereit. Es geht nicht darum, selber ein guter Boxer oder Kicker zu sein (das ist ein völlig anderes Timing), sondern ein Gefühl für das Clinchen zu bekommen. Dieses Gefühl ist eine Eigenart des alten BJJ und macht es so wirksam, denn egal wie gut man am Boden ist, wenn man im Stand hart getroffen wird, endet man vielleicht gar nicht mehr in seiner Lieblingsdistanz.

2. Kann ich meine Würfe auch ohne weiche Matte ausführen?
Grundsätzlich kann man jeden Wurf ohne Matte ausführen, zumindest einmal. Wenn man jedoch Wert auf die eigene Gesundheit legt, sollte man seinen Gegner auf der Straße nicht unbedingt mit einem tiefen doppelten Beinangriff von den Beinen holen, weil sich sonst die eigene Kniescheibe und was sonst noch dazu gehört beschweren könnte. Auch das in die Guard springen oder sich auf den Hintern setzen und den Gegner zu Boden locken, sind keine geeigneten Strategien, Jiu Jitsu im Straßenkampf umzusetzen. Im Gegenteil, es sind fast schon Garantien dafür, das man den Kampf verliert. Sie brauchen einfache aber gute Würfe aus dem Clinch, dazu gehören abgewandelte Versionen von Judo Würfen und Techniken aus dem Greco-Roman Wrestling. Allerdings immer unter der Beachtung, das der Gegner schlagen oder mit dem Kopf stoßen kann und der Boden im Ernstfall sehr oft, sehr hart ist.

Um wirklich effektiv Kämpfen zu können benötigt man darüber hinaus auch die Fähigkeit, im Clinch Schläge und Stöße zu vermeiden und den Gegner zu kontrollieren. Nur so bieten sich dann die Möglichkeiten für Wurftechniken. Die Fähigkeit einen Angreifer gezielt werfen zu können, spielt gerade auch beim Kampf gegen mehrere Gegner eine große Rolle. Je schneller man jemanden zu Boden wirft, desto mehr Zeit hat man für Gegenangriffe, denn es gibt kaum eine Position die den Gegner so immobilisiert wie in die Bodenlage. Dies kann man nutzen um z.B. gezielte Stampftritte anzuwenden. Ein Wurf selber kann auch anders als Waffe eingesetzt werden, nämlich indem man einen Angreifer gezielt vor ein Auto, aus einem Fenster, oder auf einen Zaun wirft, um den Kampf schnell zu entscheiden.

Das solche Techniken nur im absoluten Notfall zur Anwendung kommen sollten, versteht sich von selber

3. Habe ich ein starkes Top Game?
Clinch – Takedown – Submission. So einfach kann das Leben sein, wenn man weiß welche Strategie für den regellosen Kampf geeignet ist. Anders als beim sportlichen Grappling, ist die Guard in einem echten Kampf nur die zweite Wahl. Ziel ist es immer die Mount, bzw. Back-Mount Position zu erreichen, den Angreifer mit Schlägen und guter Kontrolle dazu zu bringen einen Fehler zu machen und ihn dann zur Aufgabe zu zwingen. Genau deshalb ist es wichtig, ein stabiles Top Game zu haben. Keine Twister Rollen aus Side Mount, oder Triangles aus der Mount Position. Kontrolle, Kontrolle, Kontrolle und danach Bent Armlock, Pillow Choke oder Mata Leao. Wenn das alles nichts hilft dann kommen zusätzlich noch Kopf- und Ellenbogenstöße ins Spiel, um den Kampf mit unschönen Mitteln zu entscheiden. Außerdem kann man vom Top Game auch, leicht aufstehen, Stampftritte ausführen, oder sich um andere Angreifer kümmern. Von daher ist „Guard Pulling“ keine Option für straßentaugliches Jiu Jitsu.

4. Habe ich eine „schlagfeste“ Guard
X-Guard, Turtle Guard, Half Guard, usw. alles schöne Positionen um im sportlichen Wettkampf zu bestehen und den Gegner mit ringerischen Mitteln zur Aufgabe zu zwingen, aber wenn Schläge erlaubt sind, verlieren diese Techniken ihren Sinn. Eine schlagfeste Guard, besteht aus einer starken geschlossenen Guard und einer sehr engen offenen, bzw. Spider Guard. Die Kontrolle der gegnerischen Arme und des Kopfes (Kopfstoß Gefahr) hat oberste Priorität. Gerade Kopfstöße sind in der Guard, von dem Gegner in Oberlage, sehr leicht auszuführen. Was ist mit Knien in die Oberschenkel, bzw. das Becken? Was mit Biss-Attacken? Man sollte auf all diese Dinge vorbereitet sein. Auch die eigenen Schlagtechniken aus der Guard sollte man nicht unterschätzen. Fersen Kicks in die Nieren. Ellebogen auf den Hinterkopf, Handflächenschläge auf Schläfe und Ohr, alles legitime Jiu Jitsu Techniken aus der Guard. Allerdings nur dann, wenn man sie auch regelmäßig trainiert.

5. Bin ich körperlich fit?
Jiu Jitsu ist ein schöner Sport und gibt dem Anwender viele technische Vorteile, aber egal wie technisch man ist, in einem Kampf in dem alles erlaubt ist, braucht man mehr als nur Jiu Jitsu. Man braucht jeden Vorteil den man kriegen kann und körperliche Fitness, also Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit, usw. sind immer von Vorteil. Gerade die Ausdauer und Kraftausdauer spielen eine wichtige Rolle im Grappling und man sollte zusätzlich zu seinem regulären Training, noch ein funktionelles Fitness Training ausführen. Fighter-Fitness, z.B. wäre eine gute Option. In einem echten Kampf weiß man nie wie lange man bis zum Sieg kämpfen muss. Wenn man beim Joggen, mitten im Wald angegriffen wird und der 30 Kilo schwerere Angreifer liegt auf einem, dann gibt es keinen Ringrichter. Man muss den Gegner müde machen, ihn systematisch zerstören und schließlich entweder die Knochen brechen, ihn ohnmächtig würgen, oder ihn aus der Mount Position mit Schlagtechniken K.O. schlagen und dafür braucht man Ausdauer.;-)

6. Bin ich vom Gi abhängig?
Wird man häufiger von Menschen in langen Hosen und Jacken, bzw. Pullovern angegriffen oder eher von verschwitzten Männern in Badehosen? Das hängt zu einem Großteil davon ab, wo man seine Freizeit verbringt und ich will mir auch darüber keinerlei Gedanken machen müssen. Ein guter Kämpfer nutzt das was er hat, er nimmt das Rever des Gegners wenn gerade eines da ist, oder er würgt den gegnerischen Hals mit bloßen Händen. Entscheidend ist, das man auf alles vorbereitet und nicht abhängig davon ist, welche Kleidung ein Angreifer trägt. Friedrich Jiu Jitsu basiert auf No-Gi Training, aber wir arbeiten auch regelmäßig mit dem Gi als Hilfsmittel, bzw. Variable im realen Zweikampf.

7. Habe ich gute Submissions?
Es gibt keinen Punktsieg auf der Straße, alles was zählt, ist es den Kampf unbeschadet zu überstehen und den Gegner kampfunfähig zu machen. Aggressive Submissions sind von daher mehr als notwendig, wenn man sich erfolgreich verteidigen will. Wer also sein Jiu Jitsu auf Punkten aufgebaut hat, oder gerne auf Zeit spielt, sollte sich klar machen, das er damit im vollkommenen Gegensatz zur Philosophie des Oldschool BJJ steht. Das Ziel im Jiu Jitsu ist immer, den Gegner zur Aufgabe zu zwingen, bzw. ihm so zu verletzen, das er den Kampf nicht mehr weiterführen kann und will. Jede Position ist also nicht einfach nur zum Selbstzweck geschaffen worden, sondern stellt eine wichtige Etappe auf dem Weg zum Endziel da: Den Gegner kampfunfähig zu machen.

8. Habe ich die richtige mentale Einstellung?
Jiu Jitsu ist kein Sport, wenn jemand versucht Kopfstöße und Schläge anzubringen, Blut fließt und man mit ungezügelter menschlicher Gewalt konfrontiert wird, braucht man eine klare mentale Einstellung. Jede Emotion, egal ob Angst, Wut, Aggression, usw. verklärt die eigene Entscheidungsfähigkeit, körperlich und auch mental.
Weder Mitleid noch Selbstmitleid sind in diesem Moment gefragt, es ist wichtig das mam eine distanzierte Haltung zur Situation entwickelt und vollkommen ohne Emotionen reagiert. Man versucht weder den Gegner zu schonen, noch ihn unnötig zu verletzen, das Ziel ist ganz klar. Die bedrohliche Situation aufzulösen und dabei unnötigen Schaden an sich selber und auch am Angreifer zu vermeiden. Bei aller Gewalt sollte man nämlich eines nie vergessen: Jiu Jitsu bietet eine sanfte Lösung für ein gewalttätiges Problem und schützt so nicht nur den eigenen Körper, sondern auch die eigene Psyche und den Charakter.