BJJ Street Guard – Eine Guard für jede Lebenslage;-) Teil 1: Die Closed Guard

BJJ Selbstverteidigung aus der Rückenlage
Eine starke Kopfkontrolle, von der aus, man in verschiedene, andere Kontrollpositionen, wechseln kann

Wenn ich mir aus der Rücklage eine Position aussuchen dürfte, aus der ich einen Kampf beginnen will, dann würde ich die Closed Guard wählen. Keine andere Position gibt mir diese aggressive Form der Kontrolle und des „Pressure.“, in Kombination mit Submissions, Sweeps und Back Takes.

In einem meiner letzten Artikel ging es ja darum, ob die Guard eine Berechtigung für die Selbstverteidigung hat und nachdem ich diese Frage mit einem relativ ausführlichen „Ja“ beantwortet habe, möchte ich heute einmal auf die konkreten Prinzipien und Strategien der Guard Position eingehen und erläutern wie eine Guard funktionieren muss, damit sie gut in der Selbstverteidigung funktioniert. Da dies ein sehr komplexes Thema ist, werde ich auch hier mehr als einen Artikel verfassen. Beginnen möchte ich aber heute mit dem absoluten Klassiker, der Closed Guard, also der geschlossenen Guard. Wie keine andere Position, hat die Closed Guard das Bild des BJJ im MMA (bzw. damals noch Vale Tudo) geprägt und es hat Jahre gedauert bis wir überhaupt realisierten, das es auch noch viele andere Guard Positionen gibt.

Für mich ist die Closed Guard, die erste Guard, die ein Schüler lernen sollte, weil sie eine sehr starke Kontrollposition ist und in den verschiedenen Szenarien (SV, Gi, No-Gi, MMA) gut funktioniert. Darüber hinaus bietet sie, wie schon erwähnt, extrem effektive Übergänge in andere Positionen, wie die Mount oder Back Mount Position und auch klassische Submissions wir der Triangle Choke, der gestreckte Armhebel oder der Oma Plata sind aus der geschlossenen Guard sehr gut auszuführen. Die Art und Weise wie ich die Closed Guard für mich nutze macht eigentlich keinen Unterschied, was das Szenario betrifft. Ich arbeite sehr eng und kontrolliere die Extremitäten meines Gegners, egal ob wir mit oder ohne Schläge kämpfen. Das macht es für mich als Lehrer auch einfach, diese Position uneingeschränkt zu empfehlen. Was sind also die Prinzipien einer effektiven Guard, die auf der Straße und auf der Matte funktioniert?

Die Kontrolle des Oberkörpers
Einer der wichtigsten Punkte überhaupt, ist die Kontrolle des Oberkörpers, oder einfacher gesagt, solange der Kopf meines Gegners, auf meiner Brust klebt, wird es schwer für Ihn, mich K.O. zu schlagen, oder meine Guard zu passieren (wobei ich selber gerne die Guard passiere und meinen Kopf auf der Brust meines Gegners habe, aber das ist halt die Ausnahme;-)).

Je mehr sich ein Gegner in der Guard aufrichten kann, desto mehr Distanz hat er, um seine Schläge zu beschleunigen und das kann dann sehr gefährlich werden. Ähnlich wie im Standkampf auch, wollen wir keinen Kampf in der „Halbdistanz“. Entweder wir sind sehr weit weg, oder eben sehr nah am Mann dran. Wenn wir also den gegnerischen Kopf auf unserer Brust, oder manchmal auch Bauch, kontrollieren, sind wir in einer engen „Clinch Position“ und dadurch relativ sicher und vor harten Schlägen geschützt. Würde man jetzt mit Gi trainieren und wäre auf eine klassische Collar & Sleeve Kontrolle fixiert, also auf ein Griff am Ärmel und ein Griff am Revers, dann wäre dies zwar effektiv für den Kampf ohne Schläge, mit Schlägen, wäre dies jedoch genau die Halbdistanz, die es zu vermeiden gilt, um nicht Schläge und Kopfstöße zu kassieren.

Da wir innerhalb unserer Schule allerdings sowieso nur No-Gi trainieren, haben wir ausschließlich enge, körpernahe Methoden der Kontrolle und so spielt es in der Closed Guard eine eher untergeordnete Rolle, ob der Gegner schlägt oder nicht. Die Kontrolle des Oberkörpers ist allerdings nicht einfach ein einzelner Griff, sondern ein System aus verschiedenen Kontrollpositionen und Übergängen die die Positionen miteinander verbinden.

Die wichtigsten Positionen in unserem System sind:

  • Overhook & Kopfkontrolle (2 Versionen)
  • High Guard
  • Head & Arm Kontrolle
  • Side Guard
  • Williams Guard
  • No-Gi Spider Guard

Die Rubber Guard wäre eine weitere Option, aber auch wenn ich Eddie Bravo wirklich mag und schätze und einige seiner Entwicklungen wirklich gut finde, kann ich mit dieser Position als Athlet und auch als Coach nichts anfangen, da sie meiner Meinung nach nicht nur eine extreme Flexibilität voraussetzt, sondern auch sehr viel Stress im unteren Rücken, den Hüften und Kniegelenken verursacht.

Die 45 Grad Regel
Idealerweise befindet sich der Kopf eines Angreifers flach auf der Brust des BJJ Anwenders, oder maximal in einem Winkel von 45 Grad über ihm. Von 0 – 45 Grad lässt sich ein Gegner relativ gut am Kopf kontrollieren,. Bewegt sich der gegnerische Oberkörper schon in einem Winkel von 45-90 Grad über dem Körper des BJJ Anwenders, muss dieser auf andere Kontrollmechanismen zurück greifen. Eine geschlossene Guard, ist dann, gerade auch wenn Schläge erlaubt und zu erwarten sind, nur schwer möglich. Wobei ich mich da korrigieren muss, möglich ist sie, sie wird ja auch oft genauso unterrichtet, aber funktionieren tut sie in diesem Kontext nur selten, gerade wenn der Angreifer physisch stark und aggressiv ist.

Raum nehmen und Raum schaffen
Einfach abgekürzt beschreibt dieser Satz die Idee der geschlossenen Guard. Man nimmt dem Angreifer jeglichen Platz für seine Angriffe (egal ob Grappling Techniken oder Schläge) und kontrolliert so seine Haltung und Körperstruktur. Aus dieser, für ihn schlechten Position heraus, schafft man wiederum Platz, um eigene Angriffe zu starten. Grundsätzlich ist das Spiel der Guard, also immer ein Spiel zwischen Raum wegnehmen und Raum neu erschaffen, um anzugreifen. Das macht die Guard auch relativ schwierig und ich würde jedem Anfänger empfehlen, in einem echten Kampf , immer aus den oberen Positionen zu kämpfen. Später relativiert sich das etwas, aber in der ersten Zeit, ist der Kampf aus der Oberlage einfach sicherer und erfolgversprechender.

Die Kontrolle mit dem Overhook
Der Overhook in Anwendung

Overhook & Kopfkontrolle
Die wohl klassischste aller Closed Guard Kontrollen und auch die erste die ich meinen Schülern unterrichte. Man kontrolliert den gegnerischen Kopf auf seiner eigenen Brust, indem man ihn so umklammert, das die eigene Armbeuge genau am Nacken aufliegt, quasi so als würde man einen Mata Leao auf der falschen Halsseite ausführen. Der freie Arm umklammert den Arm des Gegners entweder komplett, so das ein Overhook entsteht, oder man legt nur den Ellenbogen über den Arm des Gegners und presst ihn so in die eigene Armbeuge. Der Overhook hat einen größeren Kontrolleffekt, aber die zweite Version, ist ein wenig mobiler und Übergänge fallen mit ihr leichter. Der Nachteil dieser Position liegt darin, das man nicht ganz so leicht die nötige Distanz für die verschiedenen Angriffe schaffen kann. Mit der nötigen Hüftbewegung ist dies zwar möglich, aber man buhst auch etwas Kontrolle dabei ein.

Für die Selbstverteidigung ist diese Position allerdings sehr einfach und effektiv einzusetzen, da die wenigsten untrainierten Menschen, wissen, wie sie die strukturellen Schwachpunkte dieser Position ausnutzen können und sich viele Möglichkeiten für Triangle Chokes, gestreckte Armhebel und Oma Platas ergeben. Auch Schläge auf den Hinterkopf, sowie Fersenschläge in die Nieren, bzw. Oberschenkel sind sehr gut möglich.

High Guard in der Selbstverteidigung
Die High Guard in Anwendung

Die High Guard
Dies ist meistens die zweite Kontrollposition, die ich am Anfang unterrichte und sie ergibt sich meistens, aus der Verteidigung, gegen die erste Position. Warum? Ganz einfach, für den Overhook und die Kopfkontrolle, brauch man einen Arm des Gegners am Boden. Ein Overhook ist nur dann möglich, wenn die gegnerische Hand den Boden berührt und aus diesem Grund legen geübte Angreifer die Hände auf den Oberkörper des Anwenders und halten dabei ihre eigenen Ellenbogen eng. Mit dieser Taktik lässt sich ein Overhook vermeiden, aber er gibt dem BJJ Anwender die Möglichkeit für einen Übergang in die High Guard. In der High Guard klettert man mit den Beinen am Gegner nach oben in Richtung des Kopfes und hält die Guard dort fest, indem man ein Bein hinter und das andere Bein über der Schulter platziert und die Füße dann kreuzt. Dadurch bricht man die Struktur der Schultern und kontrolliert den Oberkörper, am Ende der Wirbelsäule. Man maximiert also den Hebel. Man kann in dieser Position sein ganzes Gewicht auf den Gegner legen und hat auch hier wieder die „Klassischen 3“ also Triangle Choke, gestreckter Armbar und Oma Plata als Submission Möglichkeit. Darüber hinaus hat man in dieser Position die Hände frei und kann sehr schmerzhafte Ellenbogen Schläge von oben auf den Scheitel des Gegners ausführen. Auch Fausthiebe ins Gesicht sind sehr gut möglich, ohne dabei selber ein großes Risiko von Gegentreffern einzugehen.

Closed Guard
Head & Arm Kontrolle in Anwendung

Die Head & Arm Kontrolle
Auch wenn man aus dieser Position wenige Submissions zur Verfügung hat, ist sie doch eine sehr starke Kontrollposition und bietet gute Möglichkeiten den Gegner zu sweepen, bzw. auf seinen Rücken zu klettern. Wir nutzen die Head & Arm Kontrolle nicht nur am Boden, sondern auch im Stand als sekundäre Kontrollposition im Clinch. Man klammert also den Kopf, ähnlich wie in der ersten Kontrollposition und macht dann keinen Overhook, sondern greift unter der Achsel des Gegners hindurch, um die Hände zu schließen. So hat man eine extrem starke Kontrolle des Oberkörpers und kann sehr gut, unter dem Gegnerischen Arm zum Rücken des Gegners klettern. Durch die Positionierung am Ende der Wirbelsäule, wird der Hebel maximiert und es entsteht ein starker Druck auf der Halswirbelsäule, welche den Gegner in seinen Handlungsmöglichkeiten stark einschränkt. Auch Wechsel in andere Guard Positionen, wie die Butterfly Guard, sind aus dieser Position möglich, für die SV aber eher selten notwendig.

Die Side Guard
Die Side Guard in Anwendung

Die Side Guard
Meine absolute Lieblingskontrolle in der Guard. Die Side Guard, ist extrem effektiv und führt direkt zur Back Mount oder Mount Position. Darüber hinaus sind starke Übergänge in den gestreckten Armhebel und in den Kimura möglich. Für mich ist diese Kontrollposition die Position, in der ich am meisten Druck aufbauen und meinen Gegner nach unten ziehen kann, von daher ist es meine „Go-To Position“ wenn ich in der geschlossenen Guard lande. Bei der Side Guard liegt man etwas seitlich zum Gegner und hat die gegnerischen Arme auf einer Seite festgelegt. Dabei kontrolliert man den Kopf und Latissimus des Gegners, um ihn daran zu hindern diese Position zu verlassen. Auch hier sind Fersen- und Ellenbogenschläge möglich, gerade der Rücken und Hinterkopf bieten gute Angriffsziele.

Williams Guard
Auf dem Weg in die Williams Guard

Die Williams Guard
Gehört jetzt nicht zu meinen Favoriten, ist aber eine sehr gute und vor allem auch einfache Kontrollposition. Auf den ersten Blick ähnelt sie zwar der Rubber Guard, aber dies ist nicht der Fall. Man braucht keinerlei große Beweglichkeit, um die Williams Guard umzusetzen. Man greift dabei einfach unter dem eigenen Bein hindurch und sichert sich einen Underhook an der gegnerischen Schulter. Der freie Unterarm presst dabei gegen den Hals des Gegners und schafft somit eine gewisse Distanz, während der Underhook eine Zugbewegung ausführt. Dies ist nicht nur unangenehm, sondern auch eine sehr gute Kontrolle, die dem Gegner kaum eine Möglichkeit des Schlagens oder Passierens der Guard bietet. Darüber hinaus sind auch hier wieder die „Klassischen 3“ möglich.

Closed Guard
Die No-Gi Spider Guard in Anwendung

Die No-Gi Spider Guard
Diese Position würde ich eher als Notlösung ansehen und weniger als stabile Kontrollposition. Die No-Gi Spider Guard entsteht, wenn sich der Gegner etwas Platz mit seinem Oberkörper verschaffen kann und sich ungefähr 45 Grad aufrichtet. Um weiterhin Kontrolle zu haben, bzw. Schläge zu vermeiden, bringt man die Knie von der Innenseite der Arme gegen die Bizeps des Gegners. Gleichzeitig greift man seine Handgelenke oder Trizeps (Ich bevorzuge letzteres). Durch das Drücken der Knie und Ziehen der Arme entsteht ein gewisser Schereneffekt, der den Gegner daran hindert, frei zu schlagen. Allerdings ist die Kontrolle nicht ganz so gut, weil man den gegnerischen Kopf nicht unter Kontrolle hat. Ein Aufstehen, bzw. zurückweichen nach hinten, kann nur schwer verhindert werden. Von daher eignet sich diese Guard zwar gut gegen einen aggressiven Angreifer, der nach vorne stürmt, aber weniger gut gegen einen defensiven Gegner, der versucht aufzustehen. Der Triangle Choke lässt sich aus dieser Position relativ gut ansetzen und auch Kicks zum Gesicht, sind von da aus sehr gefährlich und schnell anwendbar.

Pressure & Die Rolle der Beine
Neben der Kontrolle des Oberkörpers, geht es in der gschlossenen Guard vor allem darum, das eigene Gewicht auf den Gegner zu projizieren, so das dieser eine zusätzliche Belastung hat. Dies ist sehr effizient, aber gerade für Anfänger eher schwierig umzusetzen. Grundsätzlich geht es darum, den Gegner so parallel zum Fußboden zu positionieren, wie möglich. Je gerade der Gegner sitzt, desto weniger Kontrolle hat man über Ihn.
Während die obengenannten Kontrollpositionen eher einen Zugeffekt haben (man zieht den Gegner parallel zum Fußboden), machen die Beine das Gegenteil. Sie bauen einen Gegendruck in die andere Richtung auf, was dafür sorgt das oft ein Schereneffekt entsteht, der auf die Wirbelsäule des Gegners wirkt. Dadurch wird jede Bewegung und gerade das Aufrichten enorm schwierig und kostet jede Menge Kraft. Genau das ist der Kernpunkt der Kontrolle innerhalb der Guard. Es geht nicht darum den Gegner zusammen zu quetschen, sondern ihn mehr oder weniger langzuziehen, um ihm so seine Kraft zu nehmen und ihn zu ermüden. Die Funktionsweise der Beine in Worte zu fassen ist sehr schwierig, Es gibt jedoch ein Video von mir, in dem ich genau diese Mechanik ausführlich erläutere.

Die Guard im MMA
Vielleicht fragen Sie sich jetzt: wenn die Guard so gut funktioniert, warum sieht man dann nur noch sehr selten Submissions aus der Guard in MMA Kämpfen, bei denen ja Schläge erlaubt sind. Die Frage ist berechtigt und ich werde Sie ihnen beantworten,

Nackter Oberkörper, Vaseline und Schweiß
Alles was ich eben beschrieben habe, funktioniert nur, wenn man eine gewisse Reibung zwischen sich und dem Gegner aufbauen kann und dafür bedarf es Kleidung. Mit kurzen Hosen, Vaseline und Schweiß gibt es keine Kontrollmöglichkeiten und Schlagen ist die einzige Option. Dies geht dann ohne Frage viel besser aus der Oberlage. BJJ braucht keinen Gi, aber lange Hosen und T-Shirt und Verbot von Vaseline würden die Situation aus der Guard deutlich verändern.

MMA Handschuhe & Bandagen
Auch das, ein relativ einfaches Problem, Handschuhe und Bandagen schränken die Geschicklichkeit der Hand extrem ein und erlauben viele Griffmöglichkeiten nicht. Auch das wirkt sich negativ auf die Guard Kontrolle aus.

Schläge auf den Hinterkopf
Fast alle Schläge aus der Guard (zumindest die wirklich effektiven),zielen auf den Hinterkopf, dies ist im MMA fast überall verboten. Es gibt noch alte Aufnahmen die einige eindrucksvolle Anwendungen dieser Techniken zeigen, die sehr oft zu einem schnellen K.O. geführt haben,

Athlet vs. Athlet
In der SV kämpft man mit Technik gegen einen meistens untrainierten Angreifer, der keine Ahnung vom Grappling hat. Im MMA kämpfen zwei Athleten gegeneinander ,die alle Aspekte des Kämpfens verstehen und mehr oder weniger beherrschen. Es gibt keinen Überraschungseffekt und Dinge müssen hart erarbeitet. Kommt dazu jetzt noch Schweiß, Vaseline und nur Fight Shorts, ist die Chance auf eine effektive Guard Kontrolle sehr gering. Sie merken schon, all das sind Umstände, die ihnen so auf der Straße eher selten begegnen.

Messer & Beißen
Die Frage die ich ja auch schon ausführlich in meiner letzten Artikelserie behandelt habe. Natürlich sind die Spielregeln auf der Straße anders. Sie müssen eher selten damit rechnen, das ein Angreifer ihren Triangle Choke kontert, aber sie müssen darauf gefasst sein, das er ein Messer aus seiner Tasche holt und sie damit am Boden überrascht. Aus diesem Grund ist auch die Handkontrolle ein wichtiges Tool, was immer wieder Verwendung findet. Ähnlich wie im Clinch müssen Sie die Hände beobachten und ihre Kontrollpositionen eventuell so anpassen, das ihr Gegner daran gehindert wird, in ihre oder seine Taschen zu greifen. Auch das Beißen ist möglich und auch hier ist eine gute Kopfkontrolle und eine bewusste Achtsamkeit, ein wichtiger Punkt. Aufgrund der enge am Boden gibt es aus der Rückenlage keine perfekte Position, in der ein Angreifer nichts mehr machen kann. Die Sicherheit kann nur durch einen ständigen, angepassten Wechsel von Kontrollpositionen passieren und natürlich sollte man dabei auch eines nicht vergessen, wir wollen nicht minutenlang am Boden herum rollen und dabei schon gar nicht am Rücken liegen. Sobald sich eine Option auf Sweep oder Submission ergibt nutzen wir diese und führen den Kampf in der Oberlage weiter. Wir sind schließlich nicht in der Guard weil wir wollen, sondern weil wir aus irgendwelchen ungünstigen Umständen dazu gezwungen wurden. In einem perfekten Kampf, sind wir definitiv nicht in der Guard, auch nicht in der Closed Guard.

Das war Teil 1, im nächsten Teil wird es um die offene Guard Position gehen, auch dies ist eine interessante Position.

Die Selbstverteidigungsstrategie des BJJ – Teil 3: Der Bodenkampf auf der Straße

Bodenkampf Selbstverteidigung

The Ground is my Ocean
I´am the Shark
and most People don´t even know how to swim

Dieses Zitat von Rickson Gracie, spiegelt wunderbar die Stärke des BJJ wieder. Der Bodenkampf ist das Markenzeichen dieser Kampfkunst und viele Menschen assoziieren auch nichts anderes mit BJJ. Aber warum ist das so? Warum ist das Brazilian Jiu Jitsu so auf den Bodenkampf fixiert? Was sind die Vorteile und wo liegen die Nachteile? Gibt es einen Unterschied zwischen Bodenkampf für die SV und sportlichen Bodenkampf? Diese und noch einige weitere Fragen werde ich versuchen in diesem Artikel zu klären.

Fangen wir also an? Warum Bodenkampf? Die Idee jemanden zu Boden zu werfen und den Kampf dort gezielt zu beenden, ist zwar nicht neu, war aber vor dem ersten UFC 1993 kaum verbreitet. In den 70er Jahren war es Bruce Lee mit seinem Kung Fu und in den Achtzigern, kamen Jean Claude van Damme, Chuck Norris und viele andere Schauspieler, die den Kampf im Stehen, durch ihre Hollywood Filme propagierten. Judo und Ringen waren zwar olympische Sportarten, aber auch da war der Wurf wichtiger als der Bodenkampf, wahrscheinlich weil er optisch einfach spektakulärer war. Der Bodenkampf führte ein Schattendasein und der Masse fehlte das Verständnis für diesen Aspekt der Kampfkunst und Selbstverteidigung.

Aber zurück zur Ausgangsfrage. Warum Bodenkampf? Die Antwort ist eigentlich ganz einfach. Der Bodenkampf ist die Kampfdistanz, in der man einen Menschen am besten mit ringerischen Mitteln kontrollieren kann. Ich hatte in meinem letzten Artikel ja ausführlich über den Clinch an der Wand geschrieben. Die Kontrolle an der Wand ist wesentlich besser als im freien Raum, aber die Kontrolle am Boden, ist noch viel besser. Der Grund dafür ist einfach. Der Mensch ist durch die Evolution darauf optimiert, sich auf zwei Beinen fortzubewegen und so der Schwerkraft zu trotzen. Wenn er geht, ist er im Gleichgewicht und hat die meiste Effizienz, Mobilität und Geschwindigkeit, wenn er flüchten möchte. Glauben Sie nicht? Dann Fragen sie doch mal einen Polizisten, wo es am leichtesten ist, einem Menschen, der sich wehrt, Handschellen anzulegen.

Im freien Raum?

An der Wand?

Am Boden?

Sie können das ganze auch abkürzen und ein paar Youtube Videos schauen, dann klärt sich diese Frage in wenigen Minuten. Es ist einfach so, das sich gerade ein untrainierter Mensch, am Boden relativ langsam und ungeschickt bewegt. Darüber hinaus sorgen einige seiner typischen Fluchtbewegungen, wie z.B. sich auf den Bauch zu drehen, die Arme strecken, etc. dafür, das er sich direkt für typische Jiu Jitsu Angriffe öffnet.

Auch wenn man den Vergleich nicht 1 zu 1 übernehmen kann, sieht man in der Tierwelt oft die gleichen Muster. Ein Raubtier reißt sein Opfer erst zu Boden. Warum tötet er es nicht im freien Lauf? Weil auch ein Raubtier mit Jagdinstinkt, ohne Kontrolle nur selten den perfekten Biss setzen kann.

Der wichtigste Grund für den Kampf auf dem Boden, ist also die bestmögliche Kontrolle über einen Angreifer zu haben. Aber es gibt auch noch einen zweiten Aspekt. Wenn ich z.B. jemanden an die Wand drücke, habe ich auch eine sehr gute Kontrolle, aber mein Körper ist komplett „beschäftigt“. Meine Arme halten ihn fest, meine Beine drücken sich in den Boden und mein Rumpf stabilisiert das Ganze, damit ich die Spannung aufrecht erhalten kann. Dadurch bleibt meine Mobilität auf der Strecke. Ja ich kann Schläge, Kopfstöße, etc. anwenden, aber ich kann meinen Körper nicht in bestimmte Positionen manövrieren. Im Bodenkampf ist das komplett anders. Ich kann mich freier Bewegen, kann um meinen Gegner herum klettern und mich so gezielt in Position für einige Aufgabegriffe bringen. Das ist ein Vorteil, den mir nur der Bodenkampf gibt.

Halten wir also fest, am Boden kann man einen untrainierten Gegner sehr leicht kontrollieren und hat gleichzeitig die Mobilität, in verschiedene Hebel- und Würgegriffe zu gehen. Aber es gibt noch einen weiteren Aspekt, der den Bodenkampf effektiv und vor allem sicher macht. Ähnlich wie im Clinch, fehlt dem Angreifer die Distanz, um schwere Schläge und Wirkungstreffer zu landen. Gerade wenn er am Rücken liegt, hat er weder die Schwerkraft, noch die Beschleunigung der Hüften auf seiner Seite und kann nur sehr limitiert schlagen. Dies sieht man auch eindrucksvoll daran, das 99% aller K.O.s im MMA aus den oberen Bodenkampf Positionen passieren. Eine Ausnahme bilden Kicks aus der Guard zum Kopf. Diese sind allerdings im MMA gegen kniende Gegner nicht erlaubt und sind auch von untrainierten Angreifern nicht zu erwarten.

Der sicherste Platz in einer Auseinandersetzung mit einem größeren und Stärkeren Gegner, ist also eine, der dominanten oberen Positionen ( Mount, Back Mount, Side Control, etc.). Natürlich bieten auch diese Positionen keinen 100 prozentigen Schutz, aber sie geben einem Anwender die besten Chancen, den Angreifer kampfunfähig zu machen.

Die Nachteile des Bodenkampfes
Bei all den Vorteilen, wo liegen die Nachteile des Bodenkampfes, denn schließlich hört man gerade in SV Stilen häufig den Grundsatz: Niemals auf den Boden gehen. Steckt da ein wahrer Kern dahinter oder ist das nur Gehässigkeit gegenüber dem BJJ? Ja es steckt ein wahrer Kern dahinter, aber diese Aussage ist nicht ganz einfach zu bewerten. Ich versuche es trotzdem einmal.:-)

Wie ich schon im ersten Artikel geschrieben habe, in einer perfekten Welt, ist der Kampf mit einem gut gezielten Schlag, bzw. Aktion vorbei. Geringer Aufwand, große Wirkung. Das ist auch mein perfektes Ziel und ich hoffe das ich das irgendwann, in 20 oder 30 Jahren erreicht zu haben.;-) Der legendäre Daito Ryu Meister Yukiyoshi Sagawa, hatte nach eigenen Angaben erst mit über 70 sein besten Fähigkeiten. Aber zurück zum Thema.

Wenn ich ein guter Striker bin, Vollkontakt Erfahrung habe und regelmäßig Leute K.O. Schlage und auch mal K.O. geschlagen werde, dann brauch ich in den seltensten Fällen auf den Boden. Ein Punch ein Kick, eine Serie und alles ist vorbei. Die wenigsten untrainierten Angreifer können da was entgegen setzen. Wenn ich allerdings eher der normale Anwender bin, der nicht viel Kampferfahrung hat und ich auch beruflich keine Ohrfeigen verteile, dann wird es schon schwieriger eine SV Situation „perfekt“ mit nur einem oder zwei Schlägen zu beenden.

Grundsätzlich muss ich auch sagen, das die Kampfunfähigkeit des Angreifers zwar das Idealziel einer guten SV darstellt, wir uns aber eher an dem Minimalziel orientieren sollten. Das Minimalziel ist die Vermeidung von eigenen Verletzungen, bzw. die Schadensbegrenzung. Wenn ich also durch meine Aktionen Öffentlichkeit herstellen, bzw. Zeit zur Flucht gewinnen kann und dabei keine schweren Verletzungen erleide, ist das zwar kein Sieg für Hollywood, aber definitiv ein Sieg in der Realität. Schnelle Lösungen sind für die Selbstverteidigung immer gut und die BJJ Lösung mit Clinch und Bodenkampf ist definitiv nicht so schnell wie eine Lösung mit Schlägen, aber sie ist meiner Meinung nach weniger risikoreich und das ist der große Vorteil, auch wenn es eben manchmal ein Nachteil sein kann. Wobei man das auch nicht pauschal sagen kann, denn es gab schon minutenlange Schlägereien im Stand und Kämpfe die am Boden nach 10 Sekunden durch einen erfolgreichen Würgegriff beendet wurden.

Ein weiterer Nachteil des Bodenkampfes ist die mangelnde Übersicht und Mobilität. Wer kennt nicht die Youtube Videos, in denen jemand auf seinem Gegner hockt oder kniet und plötzlich kommt jemand von der Seite mit einem „Soccer Kick“ und beendet den Kampf ziemlich unerwartet. Zumindest aus der Perspektive des Getroffenen. Ja so etwas kann passieren, aber ich habe auch schon in meinem letzten Artikel geschrieben, das solche Sachen auch in der Schlagdistanz passieren können. Der unerwartete, zweite Mann von der Seite, ist immer ein Problem, egal in welcher Distanz.

Das führt eigentlich auch zum letzten Nachteil, am Boden kann man sich nur gegen einen Angreifer verteidigen. Korrekt, aber zwei oder drei Angreifer sind in jeder Distanz ein Problem. Klar ein Bas Rutten, wird auch 3 betrunkene Angreifer in einer Bar mit Low Kicks und Leberhaken ausnocken können, aber der normale Anwender ist da sehr begrenzt. Der Kampf gegen mehrere Angreifer ist immer ein Glücksspiel und hängt zu einem großen Teil auch von der eigenen Physis (ein guter Athlet ist immer im Vorteil) und Psyche ab. Außerdem sollte man nie vergessen, das man auch sehr schnell am Boden landen kann, wenn die zwei oder drei Angreifer darauf fixiert sind, den Kampf dorthin zu verlagern.

Bodenkampf Selbstverteidigung

Die Strategie des Bodenkampfes
Jetzt wo sie also wissen warum sie in den Bodenkampf gehen, bzw. warum es manchmal besser ist, ihn zu vermeiden, kommen wir zur Strategie und Funktionsweise dieser Distanz. Dafür gehen wir zurück in den Clinch, denn ein guter Bodenkampf beginnt schon im Stehen. Sie haben also die Distanz überbrückt, kontrollieren den Kampf im Clinch und merken nach der 25. Kopfnuss, das ihr Gegner immer noch steht und sie einen Plan B brauchen.;-);-) Was tun? Sie nutzen einen Wurf aus dem Clinch, kleben eng an ihrem Gegner und transferieren so den Kampf in die Bodenlage. Idealweise landen sie in der Mount Position. Sie kontrollieren die Arme ihres Gegners, lassen ihn „auspowern“ und beenden den Kampf mit einem Würgegriff aus der Back Mount Position, der in 3 Sekunden das schafft, was ihre 25 Kopfnüsse nicht geschafft haben, der Gegner ist kampfunfähig.

Das Konzept der positionellen Dominanz
Der bewusste Übergang vom Stand in den Bodenkampf sorgt dafür, das die Kontrolle nicht verloren geht. Man sichert die Clinch Position und bewegt sich direkt in die Mount Position, ohne dabei Raum zur Flucht zu geben. Für die SV, gegen im BJJ untrainierte Angreifer unterrichte ich sehr gerne direkte Übergänge von Takedowns in die Mount, bzw. Back Mount Position. Dies hat den Vorteil, das man wenig Raum verschenkt und dem Gegner keine Distanz zur Flucht, bzw. zur Anwendung harter Schläge gibt. Natürlich funktionieren solche Übergänge im Kampf zwischen zwei trainierten Grapplern nicht so einfach, aber für die SV gegen im Grappling untrainierte Angreifer, sind sie perfekt, weil sie ohne viel Risiko funktionieren und sehr schnell und direkt sind.

Sobald der BJJ Anwender am Boden angekommen ist, beginnt die positionelle Kontrolle, d.h. man kontrolliert den Rumpf des Gegners und isoliert dann die Extremitäten (meist die Arme) um ihn weiterhin in seinen Handlungsmöglichkeiten einzuschränken. Soweit so gut, aber jetzt kommt eine Fähigkeit ins Spiel die im sportlichen Kontext kaum eine Rolle spielt und deshalb in der SV oft vergessen wird


Das Messer vermeiden – Handkontrolle am Boden
Genau wie im Clinch auch, muss der BJJ Anwender die Arme seines Gegners beobachten und gegebenenfalls kontrollieren, um den Angreifer daran zu hindern, in seine Taschen zu greifen, um ein eventuelles Messer, etc. zu ziehen. Wer diesen Umstand missachtet geht ein gefährliches Risiko ein, denn ist ein Messer in dieser kurzen Distanz erst einmal gezogen, hat sich die Gefahr, ähnlich wie im Clinch, vervielfacht.

Die Kontrolle des Messerarms
Ähnlich wie im Clinch auch, spielt die Kontrolle des Messerarms eine große Rolle. Auch wenn man dieses Szenario unter allen Umständen vermeiden sollte, kann man es leider nicht ausschließen. Während im klassischen BJJ der Fokus mehr auf dem Rumpf liegt, muss man in der SV Situation mental und körperlich umschalten können. Wenn der Angreifer plötzlich ein Messer, Schraubenzieher, etc. in der Hand hat, muss der Fokus auf dem Kampf um den Arm, bzw. die Entwaffnung liegen, alles andere kann lebensgefährlich werden.

Die Vermeidung von Bissen
Wie schon im Clinch beschrieben, hat der Angreifer die Möglichkeit, in der nahen Distanz des Bodenkampfes zu beißen, was nicht nur schmerzhaft, sondern eben auch gefährlich sein kann, wenn es zu Infektionen, etc. kommt. Von daher ist Kopfkontrolle ein wichtiges Thema, um Bisse so gut es geht zu vermeiden. Ich möchte hier kurz Anmerken, das wir als BJJ Anwender auch Beißen können. Allerdings kommt dem eher eine taktische Rolle zu. Mit gezielten Bissen, können wir dafür sorgen das der Gegner reflexartig Distanz schafft und wir diesen Raum, dann für unsere Befreiung nutzen können. Dies gehört aber eher in den Bereich der BJJ Befreiungstechniken und ist ein „Add-on“ zu den grundlegenden Basistechniken.

Der Boden als Waffe
Auch dies ist ein Aspekt, der in der sportlichen Anwendung keine Rolle spielt. Wenn man sich in einer SV Situation auf hartem Boden befindet, kann man diesen, bewusst als Waffe einsetzen und den gegnerischen Kopf auf den Boden schlagen, um eine Trefferwirkung zu erzielen. Allerdings ist diese Option auch wieder recht unkalkulierbar und kann zu schweren Verletzungen führen. Von daher kann ich sie nicht uneingeschränkt empfehlen, es hängt immer von den äußeren Umständen des Angriffs ab, ob solche Dinge gerechtfertigt sind.

Bodenkampf Selbstverteidigung

Hebel- und Würgegriffe
Wie schon erwähnt ist das Hauptziel des Bodenkampfes, die schnelle Kampfunfähigkeit des Gegners und Hebel- bzw. hauptsächlich Würgegriffe, spielen hierbei eine zentrale Rolle.
Der Grund warum wir für die Selbstverteidigung Würgegriffe bevorzugen ist einfach, ein Würgegriff beendet den Kampf, schnell und ist nicht abhängig vom subjektiven Schmerzempfinden des Gegners. Außerdem kann ein Würgegriff den Angreifer kampfunfähig machen, ohne das es dabei zu schweren Verletzungen kommt.

Nehmen wir mal ein Beispiel. Ein BJJ Anwender sitzt in einer SV Situation in der Mount Position und will den Kampf so schnell wie möglich beenden. Dazu setzt er einen klassischen Americano Armhebel (Ude Garami / Beugehebel) an. Was passiert? Das ist die falsche Frage, besser wäre, wann hört man mit dem Hebel auf? Der Anwender zieht den Hebel kontrolliert an, Schmerz entsteht, der Angreifer schreit, klopft, bittet los zu lassen. Was tun? Ihn aufstehen lassen und darauf vertrauen das er nichts mehr macht? Vielleicht klappt es, vielleicht nutzt er aber auch die Gutmütigkeit des BJJ Anwenders aus, um direkt ein Messer zu ziehen.

O.k. zweite Möglichkeit, man ignoriert das Geschrei und bricht dem Gegner gnadenlos den Arm. In der Regel führt ein Americano der durchgezogen wird zu schweren Verletzungen an Ellenbogen und Schulter. Wahrscheinlich wird der Gegner von der traumatischen Wirkung des Hebels jegliche Kampfeslust verloren haben, aber ob so eine Aktion verhältnismäßig war, müssen dann wahrscheinlich die Gerichte klären. Vielleicht ist der Angreifer auch einfach „eine harte Sau“, bzw. steht unter dem Einfluss von Drogen und kämpft einfach weiter, weil er nichts von den Schmerzen merkt. Sie merken schon, der Hebel ist keine befriedigende Option für die SV. Es gibt zu viele Unbekannte und die Wirkung ist Abhängig von der Verfassung ihres Gegenübers.

Was ist also die bessere Wahl? Ganz einfach, der Würgegriff. Der BJJ Anwender befindet sich in der Mount, wechselt zum sogenannten „Gift Wrap“ und bringt seinen Gegner in die Back Mount Position. Dort angekommen, setzt er einen Mata Leao Würgegriff an und innerhalb von 3 Sekunden ist der Gegner eingeschlafen. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle ob der Gegner schwer, athletisch, „hart“ oder voller Adrenalin oder Drogen ist, solange er ein menschliche Anatomie besitzt wird er ohnmächtig werden. Es gibt keine Möglichkeit den Würgegriff einfach „auszuhalten“ und dann weiter zu machen, sobald die Blutzufuhr zum Gehirn und auch zurück vom Gehirn zum Herz unterbrochen wird, wird ein Mensch innerhalb weniger Sekunden das Bewusstsein verlieren. Der Kampf ist dann definitiv beendet und der Gegner stellt keine Gefahr mehr da.

Ist das nicht auch gefährlich oder gar tödlich?
Durch den Tod von George Floyd in den USA, der durch einen Würgegriff bei seiner Festnahme durch die Polizei starb, ist zum ersten Mal eine Diskussion in der breiten Öffentlichkeit darüber entbrannt, wie gefährlich Würgegriffe sind. Von daher hier meine Einschätzung, basierend auf dem was die Medizin darüber sagt.

Wird ein Würgegriff „sauber“ angesetzt, kommt es zu keinerlei Verletzungen des Kehlkopfes, etc., sondern es entsteht nur ein Druck auf der Halsvene, Halsschlagader und dem Plexus Cervicalis, dem Nervengeflecht am Hals. Wenn man die Technik für 3-10 Sekunden ansetzt, führt sie zu einer kurzen Ohnmacht, die in der Regel ohne Folgeschäden bleibt. Hält man den Griff allerdings länger als 60 Sekunden, kann dies zu schweren Folgeschäden. bzw. zum Tod des Angreifers führen.

Eine weitere, wenn auch relativ geringe, Gefahr, besteht darin, das sich durch den Druck auf die Schlagader, sich Plaque ( also Ablagerungen) lösen kann. Einmal losgelöst, kann diese dann zu Schlaganfall, bzw. Infarkten führen. Wie schon gesagt, passiert so etwas nicht sehr häufig, es gibt aber einige Berichte aus den USA (wo die BJJ Community größer ist), wo dies beim Training oder Wettkampf der Fall war und zu solchen Verletzungen geführt hat. Das Risiko für den Angreifer steigt natürlich mit dem Alter und eventuellen Vorerkrankungen und auch wenn ich jetzt dazu keine Statistik habe, glaube ich das wir eher von 15-45 Jahre alten Menschen angriffen werden und eher selten von der Altersklasse 60+.

Vielleicht sind sie jetzt etwas erschreckt, weil ich auf der einen Seite Würgegriffe empfehle und dann auf die schlimmen Folgeschäden hinweise. Sie sollten aber eines nicht vergessen, Folgeschäden kann es überall geben und die Folgeschäden bei Schlägen und Tritten gegen den Kopf und dem danach vielleicht folgenden Aufschlag auf dem Asphalt sind wesentlich wahrscheinlicher und man liest sehr oft von Todesfällen die dadurch ausgelöst werden, das jemand nach einem Schlag zu Boden fällt und dort mit dem Kopf voll aufschlägt. Dabei kann nicht nur das Gehirn, sondern auch die Wirbelsäule geschädigt werden. Natürlich, im Ernstfall steht die eigene Unversehrtheit an erster Stelle, aber trotzdem sollte jeder Mensch, der sich mit dem Thema Selbstverteidigung beschäftigt, auch einmal klar machen, welche Konsequenzen sein Handeln haben kann. Vor dem Hintergrund der Risikobewertung, bin ich aber überzeugt davon, das ein gut ausgeführter Würgegriff, die bessere und humanere Wahl ist, die ein sehr geringes Risiko für Folgeschäden hat.

Schläge im Bodenkampf
Wenn ich an Schläge aus der Mount denke, muss ich immer an den Kampf zwischen Pat Smith und Scott Morris denken. Dieser Kampf fand vor 26 Jahren bei der zweiten UFC Veranstaltung statt und ist heute noch bei Youtube zu finden (https://youtu.be/ms7CF2xZ61c). Beide Kämpfer waren eigentlich Standkämpfer aber Patrick Smith hatte wohl etwas mehr Bodenkampf Erfahrung. Als Smith in der Mount Position landete, feuerte er eine regelrechte Tirade an Schlägen und Ellenbogenstößen ab und beendete den Kampf innerhalb weniger Sekunden. Sein Gegner wurde so brutal zerstört, das mir der Kampf bis heute im Gedächtnis geblieben ist. Auch Rickson Gracie hat in seinen Kämpfen immer wieder gezielte Schläge aus der Mount Position angesetzt, um den Kampf zu beenden. Es ist also definitiv eine gute Option für den BJJ Anwender in einer SV Situation.

Der untrainierte Gegner, wird den Schlägen aus der Mount Position nichts entgegen zu setzen haben und entweder wild mit den Händen herumfuchteln, oder sich auf den Bauch drehen. Beides gute Optionen, um einen Würgegriff anzuwenden. Da man in der SV jedoch keine MMA Handschuhe trägt, würde ich Schläge mit der offenen Hand empfehlen, um sich nicht die Hand zu brechen, bzw. an den Zähnen des Gegners zu verletzen. Allerdings sollte man beachten, das der Kopf des Gegners in dieser Position fast schon am Boden fixiert ist, Schläge führen dazu, das der Hinterkopf auf den Asphalt aufschlägt und das kann eben schwere Verletzungen bedeuten. Ein Würgegriff wäre auch hier wieder die humanere Wahl, aber man kann auch relativ leichte Schläge und Ohrfeigen dazu nutzen, den Gegner in einen Würgegriff zu manövrieren.

Das war er, mein kleiner Einblick in die SV Strategie des BJJ, oder sollte ich vielleicht sagen in das „A-Game“. Das was ich in den letzten 3 Artikeln beschrieben habe, ist der ideale Kampfablauf. Man überbrückt die Distanz, kontrolliert den Clinch und beendet den Kampf aus den oberen Positionen am Boden. Allerdings gibt es auch noch eine ganz andere Welt im BJJ, die mindestens genauso groß ist. Die Welt der Fehler und des Chaos. Was wenn alles schief läuft? Wenn der Gegner mich in die Ecke drängt, zu Boden wirft und auf mich einschlägt? Was wenn er mich überraschend von hinten würgt oder in den Schwitzkasten nimmt?

Für all diese Fragen hat das BJJ Antworten und welche das sind, werde ich demnächst hier erläutern.:-)


BJJ zur Selbstverteidigung – Teil 1: Das Überbrücken der Distanz

BJJ Selbstvertedigung - Standkampf
„So weit wie nötig, so nah wie möglich“ EIn Grundprinzip des BJJ

Ich kann mich noch gut daran erinnern, es war ein grauer Novembertag, 1993 oder 1994. Meine Mutter kam von der Post und hatte ein kleines Päckchen dabei, darin war eine Videokassette mit dem Titel „Gracie in Action 2“. Ich hatte keine Ahnung was mich erwarten würde, denn bis daher hatte ich über Brazilian Jiu Jitsu immer nur gelesen, aber in dem Moment, als ich die ersten bewegten Bilder sah, wusste ich, genau das will ich lernen.:-)

Zu sehen waren dort Vale Tudo Kämpfe, also die Vorläufer des modernen MMA. Außerdem gab es einige Straßenkämpfe, Herausforderungen in der Akademie und auch ein Kampf an der Copacabana war dabei. Alles in allem eine sehr beeindruckende Mischung, die sofort meine Faszination am BJJ weckte. BJJ bedeutet mehr oder weniger regelloses Kämpfen und Selbstverteidigung, so war mein erster Eindruck dieser Kampfkunst. Das BJJ auch noch eine sportliche Komponente hat, welche genauso süchtig machen kann, wurde mir erst einige Jahre später klar.:-)

Gut 25 Jahre später hat sich das Bild des BJJ, zumindest hier in Deutschland doch stark gewandelt. Brazilian Jiu Jitsu ist für viele ein Wettkampfsport, bei dem sich zwei Athleten gegenüber stehen oder auch sitzen und technisch hochkomplexe Bewegungen ausführen. BJJ hat keine Schlagtechniken und Techniken zur Selbstverteidigung und selbst der Durchschnittsanwender lernt schon vom ersten Tag an exotische Positionen und Techniken, die er dann im Wettkampf anwenden kann.

Gerade vor ein paar Tagen fragte jemand in einer Diskussion, über einen meiner Artikel, wie denn BJJ zur Selbstverteidigung überhaupt aussehen würde, da er sich darunter gar nichts vorstellen konnte. Das hat mich verwundert, aber auch motiviert und genau deshalb schreibe ich jetzt diese neue Artikelserie. Ich möchte die Selbstverteidigungsstrategie des BJJ genauer beleuchten und vorstellen, weil ich glaube, das BJJ ein hervorragendes SV System ist, welches viel mehr Menschen erreichen könnte, als es das bisher geschafft hat.

BJJ als SV ist einfach strukturiert, funktioniert auch für weniger athletische Menschen und lässt sich auch unter Stress und mit eingeschränkter Feinmotorik anwenden und doch ist es so fundamental anders wie viele andere Systeme. Was hat es also auf sich, mit der BJJ Selbstverteidigung?

Grundsätzlich besteht die Basisstrategie aus 3 Aspekten:

  • Dem Überbrücken der Schlag- und Trittdistanz
  • Der Clinch (Kontrolle, Submission und Würfe)
  • Der Bodenkampf (Kontrolle & Submissions)

Wir werden alle 3 Aspekte ausführlich analysieren und beginnen heute im ersten Teil, mit dem Kampf in der Schlag- und Trittdistanz.

Den offenen Schlagabtausch unter allen Umständen vermeiden
Wenn man die Kampfstrategie des BJJ für die Schlagdistanz mit einem Satz beschreiben müsste, dann wäre der obige Satz wohl die perfekte Wahl. Das Hauptziel im Brazilian Jiu Jitsu ist es, den offenen Schlagabtausch zu vermeiden und so schnell wie möglich in den Clinch zu kommen und das unterscheidet es auch von vielen anderen Stilen.

Warum also, will man im BJJ keinen Austausch von Schlägen? Sind Schläge nicht effektiv?

Doch, Schläge sind in der Selbstverteidigung sehr effektiv. Ein gut gezielter Punch ist wahrscheinlich die schnellste uns eleganteste Art einen Kampf zu beenden, aber er erfordert eben ein Zusammenspiel vieler Faktoren und Fähigkeiten, die nicht immer gegeben sind. Im BJJ gehen wir davon aus, das ein Angreifer körperlich stärker und schwerer ist und über jede Menge Aggression und Schlagkraft verfügt. Vielleicht ist diese Vorstellung manchmal etwas übertrieben, aber wir sind lieber auf unseren schlimmsten Albtraum vorbereitet, als das wir jemanden unterschätzen und man sollte nie vergessen, ein Täter sucht sich ein vermeintlich schwaches Opfer und von daher wird er wohl selten jemanden angreifen, der ihm schon auf den ersten Blick körperlich überlegen ist.

Was also tun, wenn man jemanden gegenübersteht, der deutlich größer und schwerer ist und wild mit den Fäusten schwingend auf uns zugerannt kommt? Für uns ist das klar, wir versuchen uns so gut wie möglich zu schützen und so schnell wie möglich in den Clinch zu kommen, denn dort hat der Angreifer nicht mehr die Distanz die er benötigt, um effektiv schlagen zu können. Aber dazu später mehr.

Haben sie schon einmal einen Boxkampf gesehen, in dem einer der Kontrahenten deutlich unterlegen ist? Der Unterlegene versucht dann sehr oft in den Clinch zu kommen, um den Angriffen seines Gegenübers zu entgehen, leider funkt dann immer der Ringrichter dazwischen und trennt die beiden wieder, denn er weiß, im Clinch sind kaum noch Boxtechniken und K.O.s möglich und das Publikum will schließlich „Action“ sehen.:-) Trotzdem ist der Clinch im Boxen eine bewährte Methode über die Zeit zu kommen, die schon immer genutzt wurde.

Everyone has a plan until he gets hit
Dieses Mike Tyson Zitat, trifft es eigentlich auf den Punkt. Kämpfen kann nämlich manchmal sehr einfach sein. Jeder hat einen Plan, eine Strategie, ein paar Techniken an die er glaubt, aber sobald ein Volltreffer einschlägt, verliert sich das alles in einer Mischung aus Panik und Benommenheit, die kein klares Denken mehr zulässt. Ein Volltreffer im Boxen ändert alles und selbst der bewährte Clinch ist dann oft keine Option mehr, weil der Körper einfach nicht mehr gehorcht und so kann nur noch der Ringrichter den angeschlagenen Boxer vor weiteren Schäden bewahren.

Wir im BJJ sind etwas paranoid.:-) Oder vielleicht haben wir auch einfach kein Selbstbewusstsein;-) Aber wir glauben eben, wie schon erwähnt, immer daran, das unser Gegner ein gefährlicher Puncher ist und deshalb wollen wir auf keinen Fall einen Volltreffer kassieren, weil wir wissen, das im Ernstfall kein Ringrichter da ist, der uns schützt.

Im BJJ hat man diese Erkenntnis schon vor vielen Jahrzehnten gewonnen und sie immer weiter verfeinert. Man hat ein System entwickelt mit dem man den Clinch mehr oder weniger erzwingen und das Risiko eines Volltreffers minimieren kann.

So nah wie möglich, so weit wie nötig
Genau das ist eine der Basisstrategien des BJJ Standkampfes und beschreibt das Mindset das wir dabei haben, eigentlich ganz gut. In einer Kampfsituation wollen wir uns immer ganz knapp außerhalb der Reichweite unseres Gegners befinden, um nicht getroffen zu werden. Die Betonung liegt auf „knapp“ denn gleichzeitig wollen wir ihm, so nah wie möglich sein, um einen kurzen Weg in den Clinch zu haben. Wir „tanzen“ also auf der Schwelle zur Schlagdistanz, locken den Gegner in einen überhasteten Angriff oder zerstören seine Struktur für einen kurzen Moment, um dadurch in den Clinch zu kommen.

Für den BJJ Anwender gibt es grundsätzlich nur zwei Distanzen. Entweder wie eben beschrieben außerhalb der Reichweite des Gegners, oder eben ganz nah im Clinch. Alles dazwischen bedeutet für Ihn eine unkalkulierbare Gefahr, die er vermeiden möchte.

Während im klassischen BJJ der Kampf meistens als Duell anfing, d.h. beide Kontrahenten standen sich mit Abstand gegenüber und wussten das der Kampf jetzt losgeht, spielt diese Situation in der modernen Selbstverteidigung eine eher untergeordnete Rolle, bzw. hat ihren sportlichen Nutzen.

In den modernen BJJ SV Konzepten geht es hauptsächlich darum, einen überraschenden Angriff, z.B. aus einer Unterhaltung heraus, oder von der Seite, etc. zu bewältigen. Die Grundprinzipien haben sich dadurch nicht geändert, es geht immer noch daran, durch ein geschicktes Spiel mit der Distanz so schnell wie möglich in den Clinch zu kommen, aber der Kontext und die Problematik ist ein wenig anders.

BJJ Selbstvertedigung - Standkampf
Eine der Vorkampf-Positionen in Anwendung

Während in der klassischen Duellsituation das Problem darin besteht, die lange Distanz zu überbrücken und den eigenen Eingang in den Clinch so gut wie möglich zu verschleiern, geht es bei einem überraschenden Angriff, z.B. aus einer Unterhaltung heraus, darum, durch bestimmte Vorkampf-Positionen besser auf plötzliche Angriffe reagieren zu können und dabei vorher trotzdem nicht aggressiv uns eskalierend zu wirken.

Wir nutzen dafür 3 grundlegende Positionen, bei denen wir mit unseren Händen unseren Körper, bzw. unser Gesicht schützen, ohne dabei aggressiv zu wirken. Sollte die Situation jedoch eskalieren, können wir von dort aus direkt mit viel Vorwärtsdruck und einer starken defensiven Verteidigungsstruktur in den Clinch gehen. Durch das gezielte und konsequente nach vorne gehen, brechen wir das Gleichgewicht des Gegners (Kuzushi) und nehmen ihm dadurch noch mehr die Möglichkeit, harte Schläge anzuwenden.

Das Training basiert darauf, aus den Kontrollpositionen, in eine defensive Verteidigungsstruktur (die oberflächlich Ähnlichkeit mit einer Doppeldeckung hat) zu gehen und dann geschützt in den Gegner zu „crashen“, um ihm das Gleichgewicht zu nehmen und den Clinch zu etablieren. Dies funktioniert mit dem entsprechenden Training auch für Menschen die keinerlei Erfahrung mit Schlägen, oder vielleicht sogar Angst vor Schlägen haben, sehr gut und zuverlässig.

BJJ Selbstvertedigung - Standkampf
Die defensive Verteidigungsstruktur in Anwendung

Was ist mit mehreren Angreifern?
Diese Frage höre ich öfters. Was ist wenn man mehreren Angreifern gegenübersteht und der Clinch keine Option ist. Ist es da nicht besser alle Angreifer mit Schlägen kampfunfähig zu machen?

Meine Antwort darauf ist einfach: Ja es wäre besser, aber die Realität ist leider nicht wie in Hollywood und wenn man im Zweikampf mit einem gefährlichen Angreifer schon K.O. gehen kann, dann ist das Risiko bei 2 oder 3 Angreifern noch um ein Vielfaches höher.

Natürlich gibt es Fälle in denen ein Mensch sich erfolgreich gegen 2 oder 3 Gegner gewehrt hat und alle K.O. geschlagen hat, aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, wird das ein trainierter Athlet gewesen sein, der körperlich, technisch und mental top fit war. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Ich liebe Schlagen und Treten und trainiere es regelmäßig. Für mich ist es auch ein Teil des fortgeschrittenen Jiu Jitsu. Aber nach 25 Jahren als Lehrer und Coach, weiß ich einfach das die meisten Menschen nicht die idealen Trainingsparameter haben, sondern eher die minimalen.

Der „normale“ BJJ Anwender, der an Selbstverteidigung interessiert ist, wird nicht mehr als 2-3 mal pro Woche trainieren, kann sich keine blutigen Nasen und blauen Augen leisten (beruflich, privat und gesundheitlich) und hat nicht die Zeit, ein Experte in allen Distanzen zu werden. Natürlich arbeite ich mit meinen jungen motivierten Schülern, die 5-6 mal pro Woche trainieren, viel mehr und auch in alle Distanzen, aber das sind eben die Ausnahmen und nicht der reguläre Schüler.

Der kleinste gemeinsame Nenner
Vom Wortsinn her nicht 100% korrekt, aber trotzdem drückt es genau das aus. Die Standkampf Strategie des BJJ, das Überbrücken der Distanz, das Vermeiden des offenen Schlagabtausch ist der kleinste gemeinsame Nenner von Trainingspensum und Effektivität. Diese Strategie ist für „normale“ Menschen, mit einem regulären Trainingspensum umsetzbar und gleichzeitig ist sie aber auch eine solide Basis für Menschen die darauf weiter aufbauen wollen.

Ich kann nur aus meiner eigenen Erfahrung sprechen, auch wenn ich gerne im Stand kämpfe, ist die BJJ Standkampf Taktik, mein sicherster und solidester Plan. Vieles funktioniert, wenn die Dinge perfekt laufen, aber es ist beruhigend zu wissen, das es auch etwas gibt was funktioniert, wenn in der Selbstverteidigung fast alles schief läuft.;-)

Ich hoffe ich konnte in diesem ersten Teil einen kleinen Einblick in die fundamentalen Kampfstrategien und SV Taktiken des BJJ geben. Im zweiten Teil, geht es darum wie man seinen Gegner im Clinch kontrolliert und ihn entweder zu Boden oder zur Aufgabe zwingen kann. Es gibt also zu schreiben, zum Thema BJJ und Selbstverteidigung.;-)